Krieg als Motor des Transfers*

erstellt von EGO-Redaktion zuletzt geändert: 2021-06-15T10:08:48+02:00

Krimkrieg

Chloroform, Telegraphie, Dampfschiffe und Präzisionsgewehre gehörten zu den "modernen" Merkmalen des Krimkriegs (1853–1856). Da er auch von zahlreichen Presse-Berichterstattern, Illustratoren und Photographen beobachtet wurde, die ihre Text- oder Bildreportagen postwendend ans Heimatpublikum sandten, kann er auch als erster Medienkrieg der Geschichte gelten. Die modernen Kommunikationstechniken erlaubten die nahezu simultane Übermittlung der Ereignisse, die Reportage war also nicht mehr nachträgliche Aufzeichnung abgeschlossener Prozesse, sondern griff gestaltend in das Geschehen ein. Um Illustratoren und Korrespondenten zufriedenzustellen, wurde sowohl das militärische als auch das zivile Kriegsgeschehen von den Verantwortlichen sorgsam inszeniert, was den Krimkrieg ästhetisch attraktiv, wenn nicht spektakulär machte. Das hat die traditionelle, auf Schriftquellen konzentrierte Geschichtsschreibung bislang übersehen.

Erster Weltkrieg

Im Verlauf des Ersten Weltkriegs versuchten die beteiligten Streitkräfte mehr und mehr, einzelne Kriegsereignisse auch als Medienereignisse zu konstruieren, um mit deren Hilfe Einfluss auf den Kriegsverlauf zu nehmen. Dabei entstanden teils konkurrierende Erzählungen, die auf dieselben Vorgänge im Krieg zurückzuführen waren. Dies wird hier am Beispiel der Seeschlacht vor dem Skagerrak verdeutlicht. Der Erste Weltkrieg war damit nicht ein Medienereignis, sondern wurde zunehmend in Form zahlreicher Medienereignisse konstruiert – wenn auch im Rückblick Propagandaexperten auf der einen, rechtsnationale deutsche Kreise auf der anderen Seite bestrebt waren, den Konflikt insgesamt als durch Medien geprägt, mithin als 'ein' Medienereignis zu rekonstruieren.

Kriegsberichterstattung, Kriegsberichterstatter

Kriegsberichterstattung war seit Beginn der historischen Überlieferung Teil und Begleiterscheinung der Kriegsführung. In der Neuzeit veränderte sie sich mit dem Wandel von Politik, Gesellschaft und Mediensystemen. Dabei haben sich die Mittel der Steuerung verfeinert, die Text-Bild-Schere geschlossen und vermutlich sind die Zweifel am Berichteten allmählich gewachsen.

Krieg und "Nachkrieg"

Bis zum 18. Jahrhundert galt der Krieg als gewalttätige Auseinandersetzung zwischen souveränen Staaten. Spätestens in der Aufklärung wurde er einer grundsätzlichen Kritik unterzogen und die Form des Krieges wandelte sich. Francisco de Goya wurde um 1800 Zeuge eines Guerillakampfes gegen die Franzosen und reflektierte dies in seinen Graphiken. Er begründete die Moderne und wurde für 150 Jahre nationenübergreifend zum Maßstab hinsichtlich der Visualisierung der Schrecken des Krieges. Der Beitrag setzt hier ein, skizziert Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und endet in der Zwischenkriegszeit mit Otto Dix und Pablo Picasso, der noch während des Koreakriegs 1951 auf Goyas berühmtes Erschießungsbild von 1814 zurückgriff.