Abendland

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PublishedErschienen: 2012-03-09
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    Mit der Rede vom "Abendland" wird eine vorwiegend deutsche Europa-Diskussion beschrieben, die zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Anfang der sechziger Jahre Wirksamkeit entfaltete. In zwei Wellen formte sie in der Zwischenkriegszeit und in den fünfziger Jahren als "hegemoniale Integrationsideologie" einen christlich-katholisch geprägten Konservatismus. Die dabei anzutreffenden primär diachronen ideengeschichtlichen Transferleistungen müssen jedoch um einen Blick auf die Jahre des "Dritten Reiches" ergänzt werden, in denen sich die Protagonisten des katholischen Europadenkens in großem Maße auf die Ideen und Ordnungsvorstellungen des Nationalsozialismus einließen.

    InhaltsverzeichnisTable of Contents

    Entstehung des Begriffs "Abendland" in der Romantik

    Der Begriff "Abendland"1 entstand im 16. Jahrhundert im Kontext von Renaissance, Humanismus und Reformation als Gegenbegriff zum Ideal des bzw. zu Martin Luthers (1483–1546) Begriff des Morgenlandes (Neues Testament 1522). Im deutschen Sprachgebrauch findet sich der Begriff erstmals 1529 als Lehnsübersetzung ("Abendlender") des Begriffs "Okzident" in Caspar Hedios (1494–1552) Chronica. Obwohl sich der Begriff zunächst nur geographisch auf das bezog, lud er sich zunehmend kulturell auf.

    Das heutige Begriffsverständnis entwickelte sich in der Romantik.2 Hier entstand eine spezifisch deutsche Tradition, in der der Topos vom "Abendland" – in der Forschung nicht zu Unrecht als "Kampfbegriff"3 bezeichnet – zum Teil ideologisch stark besetzt war. Fortan galt als das "Abendland" jene europäische Völkergemeinschaft, die sich mit Bezug auf antike Wurzeln und die Prägung durch das Christentum im Mittelalter herausgebildet hatte. Diese kulturelle Definition des "Abendlands" gab dem Begriff ein statisches Element – es ist ein "durch die Geschichte festgelegter, deshalb nicht wie Europa zum Wachsen befähigter Raum".4

    Verstanden wurde dies in bewusster Abgrenzung gegenüber dem nicht-christlichen "Osten", ein Motiv, das sich durch die gesamte Begriffsgeschichte des "Abendlands" bis ins 20. Jahrhundert zieht. Auch der Bezug auf das Mittelalter als "goldenes Zeitalter" des Abendlands und "Vorbild für die eigene Gegenwart"5 war entscheidend. Dieser Bezug auf vor-reformatorische Zeiten wiederum erklärt, warum das Abendland während des 19. und 20. Jahrhunderts durch Rekatholisierungsforderungen geprägt und damit ein beinahe ausschließlich katholisches Projekt bleiben sollte.6

    Die Abendland-Idee nach dem Ersten Weltkrieg

    Der Erste Weltkrieg und sein Ende führten zur zweiten großen Abendland-Welle seit der Romantik, Heinz Gollwitzer (1917–1999) spricht gar von seinem eigentlichen "Durchbruch".7 Dazu trug sicherlich der enorme Einfluss Oswald Spenglers (1880–1936) Untergang des AbendlandesOswald Spengler (1880–1936), Der Untergang des Abendlandes, Titelblatt der 23.–32. unveränderten Auflage; Bildquelle: www.archive.org, http://www.archive.org/stream/deruntergangdesa01spen#page/n5/mode/2up.bei,8 das zu einem der zentralen Interpretationsschemata der jungen Weimarer Republik wurde. Gerade der stark kulturpessimistische Grundton des Werkes forderte jedoch Kritiker heraus.

    Dazu gehörten Katholiken, die den Begriff "Abendland" für sich in Anspruch nahmen. Sie interpretierten den Kriegsausgang als den Zusammenbruch der preußisch-protestantischen Gesellschaft und ihrer Ordnungsprinzipien, als Chance, den "Katholizismus als Vision einer besseren Zukunft vorzuführen".9 Dabei konnte das "Abendland" zur Leitkategorie politischer, gesellschaftlicher und kultureller Erneuerungsbestrebungen werden.

    So lässt sich im Umfeld der Zeitschrift Abendland eine Kerngruppe ausmachen, die die abendländische Idee exemplarisch vertrat und an welche die "Abendländische Bewegung" nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs personell und inhaltlich anknüpfte. Gegründet wurde die Zeitschrift Abendland. Deutsche Monatshefte für europäische Kultur, Politik und Wirtschaft im Oktober 1925 durch Hermann Platz (1880–1945). Der Romanist entwickelte angesichts der französischen Besetzung des das Konzept eines abendländischen Miteinanders, das vom Rheinland als den historischen "Kernlanden des Abendlandes"10 seinen Ursprung nehmen müsse.11

    Die Zeitschrift Abendland richtete sich unter ihrem Schriftleiter Friedrich Schreyvogl (1899–1976) an eine katholisch-akademische Leserschaft. Eine ganze Reihe bekannter Namen des Weimarer Katholizismus waren entweder im Herausgeberkreis oder als Mitarbeiter am Aufbau der Zeitschrift beteiligt, später kamen auch französische Autoren hinzu.12 Die ersten Jahrgänge widmeten sich vor allem der inhaltlichen Auslotung des Begriffs "Abendland", der eben viel mehr bedeuten sollte, als die politische und wirtschaftliche Annäherung der europäischen Staaten. "Das Abendland ist nicht ein beliebiger politischer Einfall, sondern die letzte reife Frucht, die vom Baume der christlichen Erkenntnis als endgültige Formel für das Leben in der Gemeinschaft fällt."13 Zentral war dabei eine Verherrlichung des Mittelalters als "der von Gott gewollten Verwirklichung des großen Gedankens der civitas Dei".14 Erst die Auflösung dieser "organischen", "gottgewollten" Ordnung durch Reformation, Aufklärung und Nationalismus habe den Ersten Weltkrieg überhaupt möglich gemacht – ein Erklärungsmuster, das wir in identischer Form auch nach dem Zweiten Weltkrieg finden. Ziel müsse es sein, über nationalistische Vorbehalte hinweg zu einem anderen "Geist" zu kommen, der schließlich auch andere politische Realitäten ermöglichen würde. Dass dieser vielfach beschworene abendländische Geist der Geist des katholischen Christentums sein sollte, was implizit die Forderung einer Rechristianisierung bzw. Rekatholisierung miteinschloss, verlieh dem Abendland einen hochidealistischen, romantischen Beigeschmack.

    In den späteren Jahrgängen nahmen die konkreteren, der Information dienenden Artikel zu. Der Abendland-Kreis bemühte sich, durch Berichterstattung über das politische Geschehen in , und dem Rest Europas an den Debatten um die Verständigungspolitik im positiven Sinne teilzuhaben und die Politik von Gustav Stresemann (1878–1929) zu unterstützen. Vorstellungen über die politische Ausgestaltung des zukünftigen Europas verbanden sich damit freilich nicht. Im Zentrum stand nicht politische Integration, sondern die Verständigung gleichberechtigter Nationen. Damit vertrat das Abendland insgesamt ein für die zwanziger Jahre typisches Verständigungskonzept. Man begriff Verständigung primär als kulturelle Begegnung nationaler Eliten. Aufklärung über den fremden Nachbarn im Westen wollte man leisten und sich dabei auch des "Trennenden bewusst werden als Zweck und Ziel von Völkerverständigung".15

    Doch diese verständigungsorientierte Grundposition der Anhänger des Abendlandkonzeptes geriet Ende der zwanziger Jahre massiv ins Wanken, vor allem angesichts der weiterhin ungelösten Rheinlandfrage. Skepsis machte sich breit und immer mehr Autoren im Abendland hielten die Gegensätze zwischen den Nachbarn für nicht mehr überwindbar. Der abendländische Verständigungswille hatte seinen Höhepunkt überschritten. Wirtschaftliche Probleme kamen hinzu und so stellte das Abendland 1930 sein Erscheinen ein.

    Die Abendland-Idee zwischen 1930 und 1945

    Mit der "Machtübernahme" 1933 war die erste große Blütezeit der Abendland-Idee endgültig vorüber. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte eine zweite Welle der Abendland-Begeisterung beginnen. Für die Jahre zwischen 1930 und 1945 lässt sich die Abendland-Idee schwerer greifen. Obwohl der Topos "Abendland" in den Jahren des Nationalsozialismus im öffentlichen Sprachgebrauch in den Hintergrund trat, verschwand der Begriff nicht vollständig. Er wurde von der nationalsozialistischen Propaganda vor allem in den letzten Kriegsjahren schlagwortartig gebraucht, war aber auch im konservativen Widerstand beheimatet und in literarische "Randbezirke" abgedrängt, sodass sich kaum eine generalisierende Aussage über die Begriffsgeschichte des Wortes in dieser Phase machen lässt.

    Der Blick auf Trägergruppen und Protagonisten der Abendland-Idee, die uns nach 1945 (wieder) in der "Abendländischen Bewegung" begegnen, zeigt, dass das Verhaltensspektrum im Nationalsozialismus auch unter den Abendland-Anhänger breit aufgefächert war: Exil, innere Emigration, Widerstand – aber eben in zahlreichen Fällen auch Kollaboration und ideologische Nähe zum Regime waren mögliche Verhaltensmuster angesichts der nationalsozialistischen Diktatur.16

    Die Weichen für eine mögliche Annäherung an den Nationalsozialismus wurden in den Jahren zwischen 1930 und 1933 gestellt. Nachdem das Abendland sein Erscheinen eingestellt hatte, wandten sich viele seiner ehemaligen Autoren verstärkt jenen publizistischen Organen im Umfeld der sogenannten "Konservativen Revolution" zu, denen "Mitteleuropa" und das "Reich" als ideologische Leitbegriffe dienten.17 Beide Begriffe entfalteten immer größere Anziehungskraft – auch auf Anhänger der abendländischen Idee: Sie wurden in den frühen dreißiger Jahren unter Konservativen zu so etwas wie einer "Plattform grundsätzlichen Einverständnisses".18 Die Begriffe "Abendland" und "Reich" traten zunehmend synonym auf. Beide bezogen sich in ihrer katholischen Ausprägung auf eine verklärte Vergangenheit, beide Modelle assoziierten "organische" Gesellschaften, beide Konzepte hatten einen übernationalen Anspruch, der sich auf die Ordnung durch Deutschland und die Deutschen bezog. Unter Bezug auf Othmar Spann (1878–1950) fanden Themen wie "Volk" und "Rasse" Eingang in das Denken dieser "abendländischen Reichsvisionäre". Damit aber war ein Weg beschritten, auf dem allmählich "der universalistische Reichs-Gedanke des Mittealters … neben einen ebenso universalistischen Reichs-Gedanken trat, der jedoch seiner christlichen Normierung beraubt war und an ihre Stelle die Idee des deutschen Volkes gesetzt hatte."19

    Die Entwicklung seit Beginn der dreißiger Jahre, die mit dem Ende der Zeitschrift Abendland einsetzte, war jedoch keine allein ideengeschichtliche Verschiebung. Auch im organisatorischen Rahmen der "Abendländischen Bewegung" gab es Veränderungen. Dies galt vor allem für eine Verschiebung des geographischen Schwerpunktes: Die Abendland-Idee verlor ihre starke Verwurzelung im Rheinland. Stattdessen finden wir ihre Vertreter nun verstärkt auch in anderen Gebieten mit katholischer Bevölkerung. Dies galt seit Anfang der dreißiger Jahre auch für , wo es zu lebhaften Abendland-Diskussionen kam, und zwar nicht nur in einem großdeutschen Sinn. Vielmehr gab es unter Engelbert Dollfuß (1892–1934) im Zusammenhang mit der Idee eines österreichischen, christlich-ständischen Staatsmodells zunehmend Versuche, Österreich als "Zelle zur Gesundung für das ganze Abendland" darzustellen. In deutlicher Abgrenzung vom Nationalsozialismus und den großdeutschen Begehrlichkeiten im Reich versuchten abendländische Kreise hier, eine eigenständige österreichische Identität gegenüber dem zu stärken, da Österreich von der "Vorsehung zum christlichen Bollwerk gegen den Bolschewismus und Nationalsozialismus, zur Rettung des wahren Deutschtums und der ganzen abendländischen Kultur ausersehen" sei.20 In diesem Zusammenhang erhielten sowohl das Mitteleuropa-Konzept als auch legitimistische Ideen einer Restauration der stärkere Bedeutung im Abendland-Denken. Beide Elemente sollten nach 1945 im Abendland-Denken der Bundesrepublik eine große Rolle spielen – wozu nicht zuletzt biographische Kontinuitäten beitrugen.21

    Gerade das Bespiel Österreichs zeigt, wie unterschiedlich die Schlussfolgerungen ausfallen konnten, die man auf ähnlicher ideologischer Grundlage eines abendländischen Katholizismus angesichts des Nationalsozialismus ziehen konnte. Während die "Abendländer" in Österreich dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüberstanden und ihre Organe nicht selten von Emigranten aus dem Deutschen Reich mitgestaltet wurden, wandten sich nicht wenige "Reichsvisionäre" in Deutschland dem Nationalsozialismus zu. Angesichts einer Reihe begrifflicher Ähnlichkeiten – wie eben dem "Reich" oder "Mitteleuropa" – suchte manch rechtskatholischer Verband (wie etwa der Katholische Akademikerverband) die Nähe zum Nationalsozialismus.22 Dabei konnten und wollten ihre Vertreter bis 1939 nicht erkennen, dass die nationalsozialistischen Expansionsabsichten weit über jene Ansprüche hinausgingen, die sich in der Weimarer Republik mit der Reichs-Idee verknüpft hatten. Der "Transmissionsriemen" des Reichs-Begriffes führte das "Abendland" schließlich in den ersten Kriegsjahren in argumentative Nähe zum "Großraum" und zur "Neuen Ordnung" Europas und damit in die Nähe zentraler Ordnungs- und Hegemonialvorstellungen des Nationalsozialismus. Die militärischen Erfolge der ersten Kriegsjahre verführten so manchen "Abendländer" dazu, "Mitteleuropa" als deutsches Einflussgebiet nicht mehr als ausreichend zu betrachten. Wiederum kamen dabei dem Mittelalter und dem besondere Bedeutung zu. Die mittelalterliche Ost-Kolonisation half den Überfall auf östliche Nachbarn legitimieren und die propagandistische Rede vom "Bollwerkscharakter" gegenüber dem Osten überzeugte auch Anhänger des abendländischen Denkens.

    Der Antikommunismus bildete neben dem "Reich" das wichtigste Verbindungselement der Abendland-Idee zum Nationalsozialismus. Er diente seit 1941 als zentrales Propagandaelement, in dessen Windschatten auch das "Abendland" stärkere Bedeutung in der nationalsozialistischen Propaganda erhielt. War das "Abendland" zuvor mehr oder weniger im "Reich" aufgegangen, trat nun durch die Formel von der "antikommunistischen Abwehrfront" ein gedanklicher Zusammenhang in den Vordergrund, der vielen Konservativen den Übergang in die Nachkriegszeit und die Anpassung an die veränderten weltpolitischen Konstellationen erheblich erleichterte. Und nicht zuletzt handelte es sich um ein Denkmodell, das auch für jene akzeptabel war, die im Gegensatz zu den vielen Angepassten die Jahre des "Dritten Reiches" im Exil verbrach hatten. Der Antikommunismus stellte damit eines der entscheidenden integrativen Elemente für die Wirkungsgeschichte der abendländischen Idee nach 1945 darWahlplakat der CDU zur hessischen Landtagswahl 1946, Schwarz-Weiß-Photographie, 1946, unbekannter Photograph; Bildquelle: © Institut für Stadtgeschichte Frankfurt http://www.stadtgeschichte-ffm.de/index.html, http://www.ffmhist.de/ffm33-45/portal01/portal01.php?ziel=t_ak_landtagswahlen_1946_1950, S7Z 1946 32..

    Die Abendländische Idee nach dem Zweiten Weltkrieg

    Von der unterschwelligen ideologischen Nähe des "Abendlandes" zum "Reich" und zum Nationalsozialismus war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs keine Rede mehr. Vielmehr begann nun die zweite große Blütezeit der abendländischen Idee.23 Die deutsche Gesellschaft griff bei der geistigen Neuorientierung nach dem Zusammenbruch mangels verwendbarer Alternativen und aufgrund generationsspezifischer Prägungen auf Ordnungsvorstellungen zurück, die der Weimarer Republik entstammten und des "braunen Beigeschmack" unverdächtig erschienen.24 Dies galt auch für Europa-Ideen: Begriffen wie "Reich" und "Mitteleuropa" war endgültig der Boden entzogen, stattdessen bot sich das "Abendland" an, weil es "unverbraucht, nicht diskreditiert wie Nation und Vaterland"25 erschien. Diese Anlehnung an ein katholisches Ideenkonzept wurde noch verstärkt durch ein allgemeines Bedürfnis nach christlicher Orientierung in einer Zeit, in der insbesondere der katholischen Kirche als vermeintlich vom Nationalsozialismus unberührter Institution ein hohes Maß an Akzeptanz zukam.26

    Als Beispiel für den sich entwickelnden Abendland-Diskurs kann die Zeitschrift Neues Abendland: Zeitschrift für Politik, Kultur und Geschichte dienen, welche als Teil der aufblühenden Zeitschriftenlandschaft der unmittelbaren Nachkriegszeit entstand und 1946 vom katholischen Publizist Johann Wilhelm Naumann (1897–1956)27 gegründet wurde. Viele der Autoren, die auch im Abendland der Weimarer Republik geschrieben hatten, verfassten nun Beiträge für das Neue Abendland.28 Sie verliehen ihr vor allem in den ersten beiden Jahrgängen ein Profil, das dem des Abendland von Mitte der zwanziger Jahre ähnelte.

    Wieder ging es um grundsätzliche Überlegungen zur "abendländischen Kultureinheit", zur Erneuerung einer christlich-übernationalen Gemeinschaft und um die die Rückbesinnung auf und Neuorientierung an christlichen (katholischen) Grundwerten. Die Artikel behandelten zwar keine konkreten politischen Konzepte zur Einigung Europas bzw. zur politischen Wiedereingliederung Deutschlands in die europäische Staatengemeinschaft. Gleichwohl legitimierte die Rede vom "Abendland" und damit die Betonung der gemeinsamen kulturellen Werte der europäischen Völker Deutschlands Anspruch auf einen Platz in der "abendländischen Gemeinschaft".

    Wie in den zwanziger Jahren bezog man sich dabei auf das mittelalterliche "Sacrum imperium". Die mittelalterliche christliche Kultureinheit des Abendlandes bildete eine rückwärtsgewandte Utopie: Es ging – ebenso wie in den zwanziger Jahren – bei dieser Mittelalter-Beschwörung um die Konstruktion eines Zeitalters, in dem eine gottgewollte Ordnung von Staat und Gesellschaft europaweit verwirklicht gewesen sei.29

    Ebenso wie nach dem Ersten Weltkrieg erklärte man nach 1945 die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs allein mit einer teleologischen Entwicklung, welche durch Aufklärung, Säkularisierung und Französische Revolution den "wunderbar wohlgefügten Kosmos der abendländischen Universitas"30 zerstört habe.31 Keine der Katastrophen des 20. Jahrhunderts hätte nach dieser Argumentation verhindert werden können: Sie lagen begründet in der Abwendung des Menschen von Gott, von der göttlichen Gesellschaftsordnung, in Individualismus und Nationalismus. Allein eine konsequente Rechristianisierung, eine Rückbesinnung auf die religiösen Grundlagen der "im Reiche Christi versammelten Völkerfamilien"32 könne hier Abhilfe schaffen: "Mit dem christlichen Glauben allein kann Europa wieder auferstehen", diese Überzeugung bildete den Kern abendländischen Denkens.33

    In den vierziger Jahren blieben politische Argumente im engeren Sinne im Neuen Abendland ausgeklammert. Dies änderte sich um 1950 aus zwei Gründen. Erstens trat mit Emil Franzel (1901–1976) ein Chefredakteur im Neuen Abendland an, der der Zeitschrift eine neue, stärker politische Ausrichtung gab – eine Entwicklung, die sich später unter Gerhard Kroll fortsetzte.34 Etwa zeitgleich begann sich auch die organisatorische Struktur des Abendland-Kreises über die Publikation einer Zeitschrift hinaus auszuweiten: Es gründeten sich nun verschiedene Unterorganisationen wie die Abendländische Aktion, das Centre Européen de Documentation et Information/Europäisches Dokumentations- und Informationszentrum (CEDI) und die Abendländische Akademie. In den frühen fünfziger Jahren veranstalteten diese Organisationen zahlreiche Tagungen und Vorträge, zu denen vor allem Mitglieder der konservativen, meist katholischen politischen Öffentlichkeit der jungen Bundesrepublik anreisten.35 Teilweise waren mehrere hundert Zuhörer und Besucher bei den Veranstaltungen anwesend. In den Führungsgremien der Organisationen waren eine ganze Reihe von CDU/CSU-Politikern vertreten, hinzu kam eine nicht geringe Anzahl Adeliger und Geistlicher.36 Und auch über die Bundesrepublik hinaus entfaltete das Abendland-Denken Wirkung: Vor allem im Rahmen des CEDI trafen sich die deutschen "Abendländer" mehrmals im Jahr mit Konservativen aus unterschiedlichen westeuropäischen Ländern, vor allem aus Österreich, Frankreich und , um gemeinsam eine europäische Idee des Abendlands zu entwickeln.37

    Zweitens jedoch führte der "Ausbruch" des Kalten Kriegs auch innerhalb der Zeitschrift Neues Abendland zu einem deutlichen Politisierungsschub. Nun bezog man dezidiert Stellung zum Kalten Krieg, zur Frage der Westbindung, der europäischen Einigung oder dem politischen System der Bundesrepublik. Dabei stand der Antikommunismus stärker als je zuvor im Mittelpunkt der abendländischen Idee. Er wurde – neben dem Bezug zum Christentum – zur geistigen Grundlage der "Abendländischen Bewegung". Immer wieder machten Artikel deutlich, dass es im Kalten Krieg ganz grundsätzlich um die Entscheidung zwischen Freiheit und Versklavung, zwischen abendländisch-christlicher Lebensform und Atheismus ging. Als bedrohlich empfanden die Autoren im Neuen Abendland dabei, dass der Osten als geschlossenes ideologisches System auftrete. Der Westen habe dem aufgrund seiner Abwendung von christlichen Werten nur wenig entgegenzusetzen. So entwickelte sich die Vorstellung eines "Zweifrontenkampfes": nach außen gegen die Bedrohungen durch ein totalitäres Gedankengebäude, ergänzt durch die militärische Bedrohung des Kalten Kriegs, nach innen der Kampf gegen "liberale Beliebigkeiten".38

    Dieser militante Antikommunismus führte dazu, dass in der Zeitschrift bereits Ende der vierziger Jahre eindeutig für eine Westbindung der Bundesrepublik plädiert wurde, da "die Fortdauer des Kalten Krieges für Deutschland als Niemandsland zwischen den Fronten eine ungeheure Gefahr" darstelle.39 Daran schloss sich ein unbedingtes Plädoyer für militärische Stärke und atomare Abschreckung an40 sowie die frühe Anerkennung der "Unvermeidlichkeit der Teilung Deutschlands".41 Dass eine traditionell konservativ-kulturkritische Ablehnung des amerikanischen "Lebensstils" von dieser Westbindung ausgenommen war, verwundert kaum.42 Denn schließlich repräsentierten für die "Abendländer" sowohl "Ost" wie "West" "unchristliche Ideen", und es war für sie eigentlich selbstverständlich, "dass der Christ … sich weder für den 'Westen' noch für den 'Osten' entscheiden kann".43 In der Forschung wurde dies in passender Weise als "Drahtseilakt zwischen Westoption und Antiliberalismus" bezeichnet.44

    Auch die Einigung Europas reihte sich für die Autoren im Neuen Abendland – neben allen Bezügen auf die christlich-katholische Kultureinheit – in die Reihe der Defensivmaßnahmen gegen die östliche Bedrohung ein. Die konkreten Schritte hin zu einer europäischen Einigung riefen jedoch – angesichts von "Formaldemokratie"45 und "Reißbrett-Union"46 – Skepsis hervor. Dem stellten die "Abendländer" zunehmend eigene Konzepte gegenüber: Unter Ablehnung des Gesellschaftsvertrags, des Parlamentarismus und supranationaler Elemente strebte man eine hierarchisierte Gesellschaft mit erkennbarer Autorität an. Als Vorbild dienten dabei die politischen Systeme der . Die autokratischen Systeme Spaniens und schienen genau das zu verwirklichen, was man sich in abendländischen Kreisen von einer "natürlichen" Ordnung versprach: hierarchische Gesellschaftsstrukturen, in denen jeder "seinen" Platz fand, keine "Massendemokratie", sondern elitäre Führung durch eine charismatische Führungspersönlichkeit, welche Parteiinteressen und Lobbyismus zurückdrängte, ein großer Einfluss der Kirche auf Staat und Gesellschaft. Die organisatorischen Kontakte, die die "Abendländer" seit Anfang der fünfziger Jahre über das CEDI mit Spanien verbanden und in deren Rahmen sich Politiker der Unions-Fraktionen um eine Verbesserung des deutsch-spanischen Verhältnisses und eine Anerkennung Francisco Francos (1892–1975) bemühten, spiegelten diese Begeisterung.47

    Neben Spanien und Portugal trat ein anderes Vorbild für die deutsche und die europäischen Gesellschaften der Gegenwart, das deutlich an die Jahre um 1930 anschloss: das alte österreichisch-ungarisch geprägte "Mitteleuropa". Der Verweis auf das untergegangene Habsburger-Reich diente zwei Zielen: Zum einen ging es darum, das Zusammenleben unterschiedlicher Völker unter der habsburgischen Kaiserkrone als Vorbild für die Zukunft Europas zu beschreiben. Zum anderen ging es um Herrscherpersönlichkeiten – insbesondere in der Person Otto von Habsburgs (1912–2011) [Rede von Otto von Habsburg am 29. April 1991 bei der Verleihung des Coudenhove-Kalergi-Preises an Helmut Kohl, Bonn, Farbphotographie, 1991, Photograph: Engelbert Reineke; Bildquelle: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), B 145 Bild-F087872-0011, Wikimedia Commons: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F087872-0011,_Bonn,_Verleihung_Coudenhove-Kalergi-Preis_an_Kohl.jpg?uselang=de Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 Germany.] ­–, die eben jene Autorität quasi gottgegeben ausstrahlten, die die "Abendländer" in der Gegenwart der jungen Bundesrepublik vermissten. Die "Abendländer" waren keine überzeugten Monarchisten – ihnen war eher Autorität wichtig –, doch ihre Bewunderung für den österreichischen Kaisersohn war groß.

    Über solch verschiedene Themenfelder gelang es der "Abendländischen Bewegung" in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre so etwas wie die "hegemoniale Integrationsideologie"48 der jungen Bundesrepublik zu werden. Sie war anschlussfähig für ganz unterschiedlich Gruppen des bundesrepublikanischen Konservatismus: Katholiken fühlten sich durch das katholisch-antimoderne Weltbild angesprochen, Vertriebene schätzten die Bezüge auf "Mitteleuropa" und die Beschwörung der Erinnerung an die "alte Heimat", Monarchisten die Huldigungen der Habsburger-Monarchie und Otto von Habsburgs, Demokratieskeptiker das Lob der autoritären Systeme der iberischen Halbinsel, Süddeutsche die antipreußische Grundhaltung, Anhänger der europäischen Verständigung den Bezug auf die übernationale Kategorie des "Abendlandes". Und alle miteinander waren verbunden in einem dezidierten Antikommunismus. Wie kein anderes bot sich darum das Schlagwort vom "Abendland" in den Jahren um 1950 an, Konservative unterschiedlicher Provenienz zu versammeln und für weitgehende Umgestaltungsinteressen zu mobilisieren.

    In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre jedoch war es damit vorbei. Die "Abendländische Bewegung" geriet 1955 massiv in die Kritik, als im Spiegel über ihre verfassungskritischen Positionen berichtet wurde.49 Das Neue Abendland stellte 1958 sein Erscheinen ein. Die "Abendländische Bewegung" konnte zwar durch Neuorganisation auch weiterhin tätig bleiben, doch geschah dies in viel kleinerem Rahmen als in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre. Gleichzeitig setzte die zunehmende Liberalisierung der westdeutschen Gesellschaft der Wirkmächtigkeit des "Abendlandes" ein Ende. Es verlor seine Funktion als Leitbegriff Konservativer: Der Topos erschien nun zu deutlich ideologisch aufgeladen, zu christlich, zu romantisch oder schlicht zu reaktionär. Der Orientierungsbedarf an überkommenen Ordnungsvorstellungen ließ nach. Das "Abendland" verschwand langsam aber sicher aus dem öffentlichen Sprachgebrauch.

    Damit ging eine Phase zu Ende, die sich in einem großen Bogen vom Ende des Ersten Weltkriegs – und im Rückgriff auf Ordnungsvorstellungen aus der Zeit der Romantik – bis zum Ende der fünfziger Jahre gespannt hatte. In dieser Zeit konnte das "Abendland" in unterschiedlichen Spielarten Gestaltungskraft entfalten. Die Entwicklung des "Abendlandes" zwischen den zwanziger und den fünfziger Jahren passt exakt auf das ideenhistorische Interpretationsmuster einer Transformationsphase, an deren Ende "überkommene" Konzepte in Rückzugspositionen gerieten und zunehmend von "neuen" Denkmodellen abgelöst wurden. In diesem Blickwinkel erscheinen die fünfziger Jahre als "`Schwanzstück´ eines historischen Abschnitts", das insgesamt von dem "verzweifelten Ringen der Zeitgenossen um akzeptable und allgemein konsensfähige Ordnungsmodelle, aber auch von dem scharfen Konflikt entgegengesetzter Entwürfe der Gesellschaft" geprägt war.50 Die Abendland-Idee war eine Spielart dieser Ordnungsmodelle, die die zukünftige politische und gesellschaftliche Struktur Deutschlands und Europas zu entwickeln versuchten, jedoch – und das ist entscheidend– immer in Bezug auf eine glorifizierte Vergangenheit und mit tiefer Skepsis gegenüber der Moderne. Diese Grundhaltung war seit Ende der fünfziger Jahre nicht mehr zukunftsfähig.

    Vanessa Conze, Gießen

    Anhang

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    Hürten, Heinz: Europa und Abendland: Zwei unterschiedliche Begriffe politischer Orientierung, in: Philipp W. Hildmann (Hg.): Vom christlichen Abendland zum christlichen Europa: Perspektiven eines religiös geprägten Europabegriffs für das 21. Jahrhundert, München 2009 (Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen 65), S. 9–15.

    Ders.: Der Topos vom christlichen Abendland in Literatur und Publizistik nach den beiden Weltkriegen, in: Albrecht Langner (Hg.): Katholizismus, nationaler Gedanke und Europa seit 1800, Paderborn 1985, S. 131–154.

    Jost, Jonas: Der Abendland-Gedanke in Westdeutschland nach 1945: Versuch und Scheitern eines Paradigmenwechsels in der deutschen Geschichte nach 1945, Hannover 1994.

    Kettenacker, Lothar: Der Mythos vom Reich, in: Helmut Berding (Hg.): Mythos und Nation, Frankfurt am Main 1996, S. 261–298.

    Lenk, Kurt: Zum westdeutschen Konservatismus, in: Axel Schildt / Arnold Sywottek (Hg.): Modernisierung im Wiederaufbau: Die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre, Bonn 1998, S. 636–645.

    Lipgens, Walter: Die Anfänge der europäischen Einigungspolitik 1945–1950, Stuttgart 1977, vol. 1: 1945–1947 [vol. 2 nicht erschienen].

    Loth, Wilfried: Die Europa-Bewegung in den Anfangsjahren der Bundesrepublik, in: Ludolf Herbst / Werner Bührer / Hanno Sowade (Hg.): Vom Marshallplan zur EWG: Die Eingliederung der Bundesrepublik in die westliche Welt, München 1990, S. 63–77.

    Ders.: Deutsche Europa-Konzeptionen in der Eskalation des Ost-West-Konfliktes 1945–1949, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 35 (1984), S. 453–470.

    Ders.: Rettungsanker Europa? Deutsche Europa-Konzeptionen vom Dritten Reich bis zur Bundesrepublik, in: Hans-Erich Volkmann (Hg.): Ende des Dritten Reiches – Ende des Zweiten Weltkrieges: Eine perspektivische Rückschau, München u.a. 1995, S. 201–221.

    Lübbe, Hermann: Säkularisierung: Geschichte eines ideengeschichtlichen Begriffs, Freiburg 1965.

    Lück, Wolfgang: Das Ende der Nachkriegszeit: Eine Untersuchung zur Funktion des Begriffs der Säkularisierung in der "Kirchentheorie" Westdeutschlands, Berlin 1976.

    Lützeler, Paul Michael: Der Schriftsteller als Politiker: Zur Europa-Essayistik in Vergangenheit und Gegenwart, Stuttgart 1997.

    Nolte, Paul: Gesellschaftstheorie und Gesellschaftsgeschichte: Umrisse einer Ideengeschichte der modernen Gesellschaft, in: Thomas Mergel / Thomas Welskopp (Hg.): Geschichte zwischen Kultur und Gesellschaft: Beiträge zur Theoriediskussion, München 1997, S. 275–298.

    Oexle, Gerhard: Das Mittelalter und das Unbehagen an der Moderne: Mittelalterbeschwörungen in der Weimarer Republik und danach, in: Ders. (Hg.): Geschichtswissenschaft im Zeitalter des Historismus, Göttingen 1996, S. 137–162.

    Pöpping, Dagmar: Abendland: Christliche Akademiker und die Utopie der Antimoderne 1900–1945, Berlin 2002.

    Ruster, Thomas: Die verlorene Nützlichkeit der Religion: Katholizismus und Moderne in der Weimarer Republik, Paderborn 1994.

    Schewick, Bernhard von: Die katholische Kirche und die Entstehung von Verfassungen in Westdeutschland 1945–1950, Mainz 1981.

    Schildt, Axel: Zwischen Abendland und Amerika: Studien zur westdeutschen Ideenlandschaft der 50er Jahre, München 1999.

    Ders.: Deutschlands Platz in einem "christlichen Abendland": Konservative Publizisten aus dem Tat-Kreis in der Kriegs- und Nachkriegszeit, in: Thomas Koebner / Gert Sautermeister / Sigrid Schneider (Hg.): Deutschland nach Hitler: Zukunftspläne im Exil und aus der Besatzungszeit, Opladen 1987, S. 344–369.

    Ders.: Eine Ideologie im Kalten Krieg: Ambivalenzen der abendländischen Gedankenwelt im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Thomas Kühne (Hg.): Von der Kriegskultur zur Friedenskultur? Zum Mentalitätswandel in Deutschland seit 1945, Hamburg 2000, S. 49–63.

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    Ders.: Moderne Zeiten: Freizeit, Massenmedien und "Zeitgeist" in der Bundesrepublik der fünfziger Jahre, Hamburg 1995.

    Schwarz, Hans-Peter: Vom Reich zur Bundesrepublik: Deutschland im Widerstreit der außenpolitischen Konzeptionen in den Jahren der Besatzungsherrschaft 1945–1949, Stuttgart 1980.

    Sontheimer, Kurt: Antidemokratisches Denken: Die politischen Ideen des deutschen Nationalismus zwischen 1918 und 1933, München 1968.

    Stölken-Fitschen, Ilona: Atombombe und Geistesgeschichte: Eine Studie der fünfziger Jahre aus deutscher Sicht, Baden-Baden 1995.

    Weber, Petra-Maria: Spanische Deutschlandpolitik 1945–1958, Saarbrücken 1992.

    Anmerkungen

    1. ^ Zum "Abendland" siehe u.a.: Conze, Das Europa der Deutschen 2005; Hürten, Der Topos 1985; Jost, Der Abendland-Gedanke 1994; Pöpping, Abendland 2002; Schildt, Deutschlands Platz 1987; Ders., Zwischen Abendland und Amerika 1999; Ders., Eine Ideologie im Kalten Krieg 2000.
    2. ^ Lützeler, Schriftsteller als Politiker 1997.
    3. ^ Faber, Abendland 1979.
    4. ^ Hürten, Europa und Abendland 2009, S. 14.
    5. ^ Anselm, Abendland oder Europa 2009, S. 17.
    6. ^ Zu den "ökumenischen" Aspekten der abendländischen Idee vor allem im 20. Jahrhundert siehe: Pöpping, Abendland 2002.
    7. ^ Gollwitzer, Europabild und Europagedanke 1964, S. 15.
    8. ^ Spengler, Untergang des Abendlandes 1973.
    9. ^ Ruster, Die verlorene Nützlichkeit 1994, S. 16.
    10. ^ Platz, Abendländische Vorerinnerungen 1925/1926.
    11. ^ Platz, Um Rhein und Abendland 1924; Ders., Deutschland 1924.
    12. ^ Zum Herausgeberkreis vgl. Bock, Der Abendland-Kreis 2006, S. 346–354. Unter den 14 Herausgebern wären etwa zu nennen: Goetz Briefs, Alois Dempf, Konrad Beyerle, Theodor Brauer, Ignaz Seipel oder Hugo Graf Lerchenfeld.
    13. ^ Schreyvogl, Kampf um das Abendland 1925/1926.
    14. ^ Ebers, Die Völkergemeinschaft 1926/1927, S. 80.
    15. ^ Arend, Gleichzeitigkeit des Unvereinbaren 1994, S. 140.
    16. ^ Für individuell-biographische Beispiele siehe: Conze, Das Europa der Deutschen 2005, S. 56–110.
    17. ^ Zur Mitteleuropa-Diskussion, die sich seit 1930 im Deutschen Reich verstärkte, siehe: Elvert, Mitteleuropa! 1999.
    18. ^ Sontheimer, Antidemokratisches Denken 1968, S. 223; Kettenacker, Mythos vom Reich 1996, S. 267.
    19. ^ Sontheimer, Antidemokratisches Denken 1968, S. 242.
    20. ^ Ebneth, Die österreichische Wochenzeitschrift 1978, S. 8.
    21. ^ Etwa: Emil Franzel oder Franz Klein/Robert Ingrim: Emil Franzel, geboren am 25. Mai 1901 in Haan/Böhmen, Journalist und Publizist. In seiner Jugend Führungsmitglied der Deutschen Sozialistischen Arbeiter Partei (DSAP) in der Tschechoslowakei. Nach dem Parteiaustritt (und einer nach Kriegsende geleugneten Annäherung an die Nationalsozialisten) entwickelte er sich zu einem überzeugten Konservativen und Monarchisten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vertrat er vor allem die Interessen der sudetendeutschen Vertriebenen publizistisch, unter anderem als Chefredakteur des Neuen Abendlandes. Franzel verstarb am 29. Juni 1976. Robert Ingrim, bis 1946 Franz Johann Klein, geboren am 20. Juni 1895 in Wien. Jura-Studium, anschließend als konservativ-monarchistischer Journalist tätig, unter anderem für den Christlichen Ständestaat. Im September 1938 nach London emigriert, von dort weiter in die USA. Hier stand er in engem Kontakt mit monarchistischen Exil-Kreisen um Otto von Habsburg, für den er die Voice of Austria herausgab. 1947 Rückkehr nach Europa. Ingrim lebte bis zu seinem Tod im März 1964 in der Schweiz. Er war bis dahin publizistisch tätig, unter anderem für das Neue Abendland.
    22. ^ Breuning, Die Vision des Reiches 1969, S. 238–253.
    23. ^ Zum "Abendland" nach dem Zweiten Weltkrieg siehe u.a.: Conze, Das Europa der Deutschen 2005; Hürten, Der Topos 1985; Jost, Der Abendland-Gedanke 1994; Schildt, Deutschlands Platz 1987; Ders., Zwischen Abendland und Amerika 1999; Ders., Eine Ideologie im Kalten Krieg 2000.
    24. ^ Broszat / Henke / Woller, Von Stalingrad zur Währungsreform 1988, Einleitung.
    25. ^ Hürten, Europa und Abendland 2009, S. 11. Siehe auch: Brelie-Lewien, Abendland und Sozialismus 1990.
    26. ^ Schewick, Die katholische Kirche 1981, S. 5–30.
    27. ^ Johann Wilhelm Naumann gab seit 1948 auch die Augsburger Tagespost heraus.
    28. ^ So etwa Ferdinand Kirchberger, Walter Hagemann, Helmut Ibach, Friedrich Zoepfl, Robert John, Anton Mayer-(Pfannholz), Wilhelm Schmidt, Hermann Port, Andreas Andrae oder Werner Bergengruen.
    29. ^ Vgl. Kroll, Grundlagen 1951, S. 21ff. Solch positive Bezüge auf das Mittelalter waren in der Zeit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland nicht selten. Während diese Referenz auf das Mittelalter Ende der vierziger Jahre sowohl gesamtgesellschaftlich wie auch auf katholischer Seite zurückging, nahm die Verherrlichung mittelalterlicher Zustände innerhalb der abendländischen Bewegung nicht ab, sondern blieb bis weit in die fünfziger Jahre hinein erhalten. Vgl. hierzu (in Bezug auf die Geschichtswissenschaft): Oexle, Das Mittelalter 1996; für katholische Mittelalter-Bezüge: Bücker, Die Schulddiskussion 1989, S. 258.
    30. ^ [Anonymus], Politischer Universalismus 1946, S. 26–27.
    31. ^ Kroll, Grundlagen 1951, S. 10.
    32. ^ Schmittmann, Demokratie 1947, S. 3.
    33. ^ Speckner, Rückkehr zu Europa 1948. Vgl. zu Rechristianisierungsbestrebungen insgesamt: Lübbe, Säkularisierung 1965; Lück, Das Ende der Nachkriegszeit 1976.
    34. ^ Zu Emil Franzel siehe: Conze, Das Europa der Deutschen 2005, S. 71–85, sowie Dies., "Gegen den Wind der Zeit?" 2011. Siehe auch: Brelie-Lewien, Katholische Zeitschriften 1986, S. 207.
    35. ^ Siehe zu den Aktivitäten und Veranstaltungen der Abendländischen Bewegung: Conze, Das Europa der Deutschen 2005, S. 111–206. Siehe auch: Schildt, Zwischen Abendland und Amerika 1999.
    36. ^ So etwa Heinrich von Brentano, Alois Hundhammer, Hans Hutter, Richard Jaeger, Hans-Joachim von Merkatz, Hermann Pünder, Hans Schuberth, Theodor Steltzer, Theodor Oberländer und Franz-Joseph Würmeling. Mit diesen prominenten Namen warben die Abendländischen Organisationen, doch zum engeren Führungskreis wird man diese Politiker (bis auf Hans-Joachim von Merkatz und Richard Jaeger) wohl nicht rechnen können: Dieser bestand u.a. aus verschiedenen Mitgliedern der oberschwäbischen Familie von Waldburg-Zeil, die die Abendländischen Organisationen auch finanziell trugen, aus dem Rechtswissenschaftler Friedrich August von der Heydte, dem Publizisten Emil Franzel, dem Osteuropahistoriker Georg Stadtmüller und Georg von Gaupp-Berghausen, der als Sekretär der Abendländischen Akademie und des CEDI die organisatorische Oberhoheit innehatte. Etwas später, seit etwa Mitte der fünfziger Jahre, rückte mit Otto von Habsburg eine weitere Persönlichkeit in den engen Kreis der "Abendländer". Siehe zu den Personen, die die Abendländische Bewegung prägten: Conze, Das Europa der Deutschen 2005, S. 12 und  S. 133f.
    37. ^ Zum CEDI vgl. Anmerkung 47.
    38. ^ Siehe mit ausführlichen Zitaten: Conze, Das Europa der Deutschen 2005, S. 135ff.
    39. ^ Franzel, Pariser Konferenz 1949.
    40. ^ Vgl. z.B.: Ders., Nachwort 1950, S. 182. Zu Argumentationsmustern dieser Art siehe: Stölken-Fitschen, Atombombe und Geistesgeschichte 1995, S. 54–90.
    41. ^ Franzel, Staatsform 1949.
    42. ^ Vgl. zur generellen Ablehnung des "american way of life" durch konservative Intellektuelle in der Bundesrepublik: Schildt, Moderne Zeiten 1995, S. 398–423.
    43. ^ Heilmann, Christliches Gewissen 1951, S. 602.
    44. ^ Schildt, Zwischen Abendland und Amerika 1999, S. 40.
    45. ^ [Anonymus], Straßburger Europarat 1951.
    46. ^ Kroll, Grundlagen 1951, S. 78.
    47. ^ Zu den Aktivitäten des CEDI vgl.: Conze, Das Europa der Deutschen 2005, S. 169–206. Siehe auch: Aschmann, "Treue Freunde?" 1999; Weber, Spanische Deutschlandpolitik 1992.
    48. ^ Schildt, Intellektuelle Konstruktionen 2008.
    49. ^ Conze, Das Europa der Deutschen 2005, S. 162–169, vgl. auch [Anonymus]: Abendland: Die missionäre Monarchie 1955.
    50. ^ "Schwanzstück": Schildt, Moderne Zeiten 1995, S. 32. Restliches Zitat: Nolte, Gesellschaftstheorie und Gesellschaftsgeschichte 1997, S. 285f.

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    : Abendland, in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz European History Online (EGO), published by the Leibniz Institute of European History (IEG), Mainz 2012-03-09. URL: http://www.ieg-ego.eu/conzev-2012-de URN: urn:nbn:de:0159-2012030759 [JJJJ-MM-TT][YYYY-MM-DD].

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