Christliche Konfessionsmigration*

von NN zuletzt verändert: 2012-09-19

Bevölkerungstheorie und Konfessionsmigration

In der frühneuzeitlichen Bevölkerungstheorie bestand eine Spannung zwischen dem populationistischen Nutzen und den Gefahren der Fremdenaufnahme. Das Konzept der Bevölkerungspolitik entwickelte sich im 16. Jahrhundert in Italien und gelangte zusammen mit der Staatsräsondebatte in die deutsche politische Theorie. Hier wie dort wurde der Widerspruch zwischen konfessioneller Einheit und aktiver Fremdenaufnahme nicht thematisiert. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich im Reich eine in Europa außergewöhnliche Debatte über das Verhältnis von Monokonfessionalität und Bevölkerungsgröße. Religiöse Toleranz wurde hier als bevölkerungspolitische Notwendigkeit definiert. In der Praxis war die Dichotomie zwischen Bevölkerungs- und Religionspolitik dagegen weniger ausgeprägt als in der Theorie.

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Confessional Migration: Anabaptists

Lacking a durable alliance with the state anywhere in Europe, Anabaptists constituted one of the most persecuted and most mobile religious populations of the Reformation and Confessional Ages. A single, clearly defined magisterial office was also absent from the movement, and the Anabaptists' migratory experience encouraged regional variations in the movement that built on its distinct starting points and traditions. At the same time, interactions between different Anabaptist groups undermined those regional differences. The result was the formation of distinct yet inter-related traditions that survived the Confessional Age: Mennonites, Swiss Brethren, Amish, and Hutterites.

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Katholische Konfessionsmigration

Es gab vom 16. bis zum 19. Jahrhundert nicht nur die Auswanderung aus Glaubensgründen von Protestanten, sondern auch katholische Konfessionsmigration. Diese war vor allem Klerikeremigration, das heißt erzwungene oder mehr oder weniger freiwillige, unter dem Druck einer Verfolgungssituation in nichtkatholisch beherrschten Räumen erfolgte Emigration von Bischöfen und Priestern, Theologen und Ordensleuten, Seminaristen und Theologiestudenten, Nonnen und frommen Frauen, die im Exil Nonnen wurden. Diese vorwiegend klerikale katholische Konfessionsmigration bestand in der englischen, schottischen, anglo-irischen und gälisch-irischen katholischen Konfessionsmigration, im Exil der Jansenisten, dem Exil der Jesuiten, der geistlichen Emigranten der Französischen Revolution und der katholischen Konfessionsmigration der Kulturkämpfe.

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Reformierte Konfessionsmigration: Hugenotten

Der Beitrag untersucht die Bedingungen und Folgen eines der bedeutendsten Transferprozesse im frühneuzeitlichen Europa: die Migration der Hugenotten, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 Frankreich verließen und in anderen europäischen Ländern und in Übersee Aufnahme fanden. Nach einem Überblick über die Verteilung der ca. 150.000–200.000 Migranten in den Aufnahmeländern wird die Frage der Ansiedlungsbedingungen im Hinblick auf die wirtschaftliche, rechtliche und religiöse Stellung der Hugenotten analysiert. Abschließend wird nach den längerfristigen Konsequenzen dieser Migration auf der Ebene von wirtschaftlichem und kulturellem Transfer sowie von Integration und Assimilation gefragt.

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Reformierte Konfessionsmigration: Waldenser

Die Waldenser gehen auf den Wanderprediger Valdesius (12. Jh.) zurück. Obwohl sie als Ketzer verfolgt wurden, überlebten sie in den Cottischen Alpen bis in die Neuzeit. 1532 schlossen sie sich der Reformation an, seit 1555 wurden sie "Calvinisten". 1698 vertrieb der Herzog von Savoyen 3.000 Waldenser aus dem Piemont. Die große Mehrheit dieser bäuerlichen Exulanten wurde 1699 in Hessen-Darmstadt und Württemberg aufgenommen. Obwohl diese Territorien lutherisch waren, durften die Waldenser ihren reformierten Glauben hier öffentlich ausüben. Für sie war das besonders wichtig, weil sie glaubten, dass die Waldenserkirche vorreformatorischen Ursprungs war, ja sogar auf die Zeit der Apostel zurückging. Die Integration in der neuen Heimat verlief allerdings schwierig. Ihr Neubeginn in der Seidenkultur schlug fehl. Im 19. Jahrhundert wurden die Waldenser gezwungen sich zu assimilieren und verloren dadurch ihr ausgeprägtes Gruppenbewusstsein und ihre religiös-kulturellen Eigenheiten. Selbständige Waldenserkirchen gibt es heute nur noch in Italien und am Rio de la Plata.

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