Die Französische Revolution als europäisches Medienereignis

von by Rolf Reichardt Original aufOriginal in Deutsch, angezeigt aufdisplayed in DeutschGerman
PublishedErschienen: 2010-12-03
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    Die Französische Revolution kann in doppelter Hinsicht als medialisiertes Jahrhundert-Ereignis gelten. Zum einen resultierte sie aus einer unerhörten Explosion der Text-, Bild- und oralen Medien – eine Demokratisierung der politischen Massenkommunikation, die sie ihrerseits beschleunigte. Zum anderen bestand sie aus einer Kette sensationeller und spektakulärer Schlüsselereignisse, die von Zeitungen und übersetzten Flugschriften, von Liedern und gedruckten Bildern europaweit verbreitet wurden.

    InhaltsverzeichnisTable of Contents

    Medien der Revolution – Revolution der Medien

    Die Französische Revolution war das größte Medienereignis seit den Tagen der Reformation – eine Revolution der spontanen Massenbewegungen, der publikumswirksamen Reden und der öffentlichen Feste, ganz besonders aber eine Revolution der Printmedien. Die im Druck vervielfältigten Pamphlete und Zeitungen, Bild- und Liedflugblätter, Plakate und Medaillen waren zugleich treibende Kraft und Erzeugnisse des unerhörten Geschehens. Die Milderung der Zensur und die Freigabe der Politik für die Beteiligung der Bürger lösten 1789 eine nie gekannte Flut politischer Publizistik aus, die zwar unter der Jakobinerdiktatur eingeschränkt wurde, letztlich aber bis zum Staatsstreich von Napoleon Bonaparte (1769–1821) anhielt. Statt umfangreicher Bücher und kunstvoller Kupferstiche für Wohlhabende und Gebildete beherrschten nun billige Kleinschriften und tagesaktuelle Produkte für jedermann das Druckgewerbe. Indem diese Publizistik bewusst vor allem die breite Bevölkerung ansprach und im dichten Kommunikationsnetz der 6.000 Jakobinerklubs und Volksgesellschaften landesweit verbreitet wurde, trug sie erheblich dazu bei, die Anhänger und Gegner der Revolution zu mobilisieren und in eine permanente öffentliche Debatte einzubinden.1

    Pamphletistik

    Bei den über 40.000 Flugschriften und Pamphleten der Revolutionszeit ist eine Reihe publikumswirksamer Verfahren zu beobachten, die von allen politischen Lagern angewandt wurden. So kleideten die, oft anonymen, patriotischen Schriftsteller ihre Polemik gegen die alte Aristokratie und ihre Freude über die "frohe Botschaft" der Revolution mit Vorliebe in das vertraute Gewand der katholischen Liturgie: Litanei und Magnificat des Dritten Standes, Sündenbekenntnis des Adels, Evangelium der Freiheit, Ave und Credo des Citoyen, Vaterunser der Sansculotten – so lauten nur einige anspielungsreiche Titel dieser teils satirischen, teils im pathetischen Stil gehaltenen Broschüren.

    Didaktisch noch gezielter verfuhren politische Katechismen, indem sie eine Standardform der christlichen Unterweisung revolutionär umfunktionierten: allen voran der 1791 in einem Wettbewerb des Jakobinerklubs preisgekrönte Almanach du Père Gérard des ehemaligen Schauspielers Jean-Marie Collot d'Herbois (um 1750–1796), das erfolgreichste Volksbuch der Revolution überhaupt. In einer Folge von Gesprächen erzählt es, wie der Landwirt Michel Gérard, der einzige bäuerliche Abgeordnete der Nationalversammlung, in seine Heimat zurückkehrt und den Dorfgenossen die Vorzüge der neuen Verfassung erklärt.2

    "Dem Volk auf's Maul schauen" – besonders wörtlich nahmen diesen Grundsatz Hunderte von Pamphleten, die ihre politischen Argumente beliebten Gestalten des Jahrmarkttheaters in den Mund legten. In szenischer Aufmachung bedienten sie sich der groben Sprache der Pariser Markthallen. Ihre populärste Titelfigur war der Père Duchesne, seines Zeichens Ofensetzer: ein plebejischer Sprücheklopfer, dessen Schnurrbart und öffentliches Pfeiferauchen ebenso gegen die bürgerlichen Konventionen verstieß wie seine unflätigen "verfickten" Flüche. Ob er nun König Ludwig XVI. (1754–1793) im Duz-Ton maßregelte oder die Sansculotten zum Kampf gegen die "neue Aristokratie" im Konvent aufrief – immer wusste er seiner radikalen Agitation mit drastischen Worten und Symbolhandlungen Nachdruck zu verleihen.3

    Presse

    Mehr noch als von den Flugschriften wurde die Französische Revolution von einer sich explosionsartig entfaltenden Presse getragen.4 Im Zeichen der Revolution entstand neu, was heute selbstverständlich scheint. Schlagartig entwickelten sich Zeitungen von einer elitären Angelegenheit zu einem Massenmedium. Konnte man die politischen Nachrichtenblätter in zuvor an einer Hand aufzählen, so schossen nun, von Juli 1789 bis 1790, über dreihundert Wochen- und Tageszeitungen wie Pilze aus dem Boden. Oft waren es "Ein-Mann-Zeitungen", denn noch galten die profitablen vorindustriellen Produktionsbedingungen (billige Materialien und Löhne, einfache Handpressen). Mit niedrigen Preisen wetteiferten diese Blätter um die Gunst eines enorm gewachsenen Publikums. Insgesamt erschienen während der Revolution rund 1.600 verschiedene Zeitungen; viele freilich nur für kurze Zeit. Die höchsten Auflagen über mehrere Jahre erzielten radikalrevolutionäre Blätter wie die Révolutions de France von Louis-Marie Prudhomme (1752–1830) und die Annales patriotiques (10.000–12.000 Exemplare) von Jean-Louis Carra (1743–1793) und Louis-Sébastien Mercier (1740–1814), doch auch der ultra-royalistische Ami du Roi des Abbé Thomas-Marie Royou (1743–1792) fand 5.700 Abonnenten – immer noch doppelt so viele wie ein Journal im alten Frankreich. Die tägliche Gesamtauflage allein der Pariser Blätter belief sich 1791 auf 130.000 Stück und erreichte 1797 die Marke von 150.000 Exemplaren. Über die Hälfte dieser Produktion wurde regelmäßig in die Provinz versandt, sodass die Post ihre Kapazität wesentlich erweitern musste. Die soziale Reichweite der neuen Presse war erheblich, zumal jedes Zeitungsexemplar durch die damals übliche kollektive Lektüre im Schnitt von zehn Erwachsenen rezipiert wurde. Dies bedeutete drei Millionen Leser, über zehn Prozent der Bevölkerung: ein einzigartiger Demokratisierungsschub der politischen Information und Meinungsbildung.

    Dem entsprachen die neuen publizistischen Techniken der Revolutionspresse – beginnend mit der äußeren Aufmachung und öffentlichen Präsentation. Die ungegliederten, eng bedruckten Textspalten der alten Gazetten wichen einem "Layout" mit Schlagzeilen, Leitartikeln und regelmäßigen Rubriken. Dies ist besonders deutlich zu beobachten bei den Plakat-Zeitungen der Pariser Commune. Je radikaler das Blatt, desto plakativer und marktschreierischer sein Auftritt. So nahmen die Schlagzeilen in jeder Nummer des Ami du Peuple von Jean-Paul Marat (1743–1793) einen Großteil der Titelseite ein, damit die Kolporteure sie werbend ausrufen konnten. Denn mit der Revolution begann in Frankreich der Straßenverkauf von Zeitungen, wie das Beispiel des Journal du soir von Etienne Feuillant (1768–1840) bestätigt: 1792 in einer Auflage von 10.000 Stück gedruckt, wurde es abends in den Straßen von Paris von 180 Zeitungsjungen ausgetragen und "ausgesungen".

    Zugleich pflegte die Revolutionspresse eine volksnahe Schreibweise und einen ausgeprägten Meinungsjournalismus. Gleich mehrere Blätter nannten sich Père Duchesne, allen voran das von Jacques-René Hébert (1757–1794) redigierte Leib- und Magenblatt der Pariser Sansculotten.5"Je suis le véritable père Duchesne", 1790, Digitalisat, BnF, Gallica, http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k49624m. Um auch die Bauern anzusprechen, gründete der ehemalige Jesuit Joseph Cerutti (1738–1792) mit La Feuille villageoise"La feuille villageoise", 1 (1791), Digitalisat, BnF, Gallica, http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k566661.image.f2. eigens eine "Dorfzeitung", die in eingängiger Diktion und unterstützt durch kleine Szenen und Dialoge von den Errungenschaften der Revolution berichtete. Sie erschien von 1790 bis 1795 und hatte bis zu 15.000 Abonnenten, darunter viele Lehrer und Pfarrer, die wichtigsten kulturellen Mittler auf dem Land. Doch keine Zeitung der Revolution wandte sich eindringlicher an das "Volk" als der Ami du Peuple des ehemaligen Arztes und Untergrundschriftstellers Jean-Paul Marat. Täglich redete Marat über dieses Sprachrohr mit dem Volk wie mit einem Kind. Unermüdlich schalt er dessen Arglosigkeit, ermahnte es zur Wachsamkeit, warnte vor einer neuen "Aristokratie" und denunzierte drohende "Verschwörungen" gegen die Revolution. Indem er sich publikumswirksam als Volkstribun in Szene setzte, verkörperte Marat idealtypisch die neue Leitfigur des sprachgewaltigen, engagierten Journalisten.

    Bildpublizistik

    Massenhaftigkeit, Volksnähe und verstärkte Präsenz im öffentlichen Raum – diese Merkmale kennzeichnen erst recht die nicht-schriftlichen Medien der politischen Kommunikation: Medien einer "mündlichen" Kultur des Zeigens und Sehens, des Redens und Hörens, die von der Aufklärung zurückgedrängt worden war, aber in der Revolution zurückkehrte. "Büsten, Kupferstiche, Gemählde, Bibliotheken, Possenreißer, Marionettenspieler, Taschenspieler", wusste der deutsche Freiheitspilger Heinrich Zschokke (1771–1848) noch im April 1796 aus Paris zu berichten, "zeigen sich in allen Stadtgegenden, und haben einen größern oder kleinern Schwarm von Bewunderern und Tadlern um sich versammelt. Selbst Melodien werden verkauft, und dem Ohre der Käufer eingezeigt."6 In der Tat: Die allgegenwärtigen Wandzeitungen, die Ausrufer und Straßensänger, die umherziehenden Schauspieler und Bilderhändler verliehen der revolutionären Kommunikation einen gewissen Kolportage-Charakter."Die kleine Gegenrevolution: Tragikomödie in 4 Akten, aufgeführt in Straßburg am 3. und 15. bis 17. Januar 1791", kolorierte Radierung, 23,9 x 17,2 cm, Frankreich, 1791, unbekannter Künstler; Bildquelle: Prometheus – Das verteilte Bildarchiv für Forschung und Lehre, Lexikon der Revolutions-Ikonographie, Justus-Liebig-Universität Gießen, Historisches Institut, http://prometheus.uni-koeln.de/pandora/image/show/Image-giessen_lri-1aa958c1cc1ed94aa78287adb0b6aedcd173d9cc. Dies stellte jedoch ein wirksames Mittel zur Mobilisierung der oft kaum lesefähigen einfachen Leute dar; denn kraft der ihnen eigenen Emotionalität, ihrer mitreißenden Melodien und visuellen Präsenz prägten insbesondere die politischen Chansons und die gedruckten Bildflugblätter sich dem kollektiven Bewusstsein tiefer ein als Texte und Reden.7

    Wie schon ein kurzer Blick auf die revolutionäre Bildpublizistik zeigt, handelt es sich auch hier zumeist um Massenprodukte kleiner, namenloser Künstler, Drucker und Verleger. Ihre flüchtig kolorierten Blätter erreichten Auflagen von tausend bis dreitausend Stück, durch Nach- und Raubdrucke nicht selten ein Vielfaches. In Paris wurden sie in aller Öffentlichkeit dargeboten: auf den Märkten, an den Häuserwänden der Boulevards, unter den Arkaden des Palais-Royal. Im Gegensatz zu den etablierten Kupferstechern, die mythologische Themen und Genreszenen bevorzugten, nutzten die neuen Bildermacher die rasche und freiere Radiertechnik, um das aktuelle Zeitgeschehen unmittelbar satirisch zu kommentieren und sinnstiftend zu deuten. Typisierend visualisierten sie symbolträchtige Ereignisse, politische Prinzipien, Hoffnungen und Ängste: Bildreportagen der Volksaufstände, bissige Schlagbilder gegen die Aristokraten, Wunschbilder patriotischer Einigkeit, Heldenbilder von Bastille-Siegern und Sansculotten, Schreckbilder der Jakobinerdiktatur, Sinnbilder der Liberté, der Égalité und der République.8

    Besonders populär waren die revolutionären Karikaturen.9 Eindrücklich wussten sie vertraute Motive der ikonographischen Tradition zu politisieren und in gedrängter Form mit originellen Bilderfindungen zu verbinden. Ihre beliebtesten Motive wurden kopiert und auf Sammelblättern zusammengestelltBilderbogen mit revolutionären Allegorien, kolorierte Radierung, 38 x 27,4 cm, Frankreich, 1789; unbekannter Künstler; Bildquelle: Prometheus – Das verteilte Bildarchiv für Forschung und Lehre, Lexikon der Revolutions-Ikonographie, Justus-Liebig-Universität Gießen, Historisches Institut, http://prometheus.uni-koeln.de/pandora/image/show/Image-giessen_lri-3251a594843984712862ae94bd6ccb41081a8e94. – Miniaturgalerien für den schmalen Geldbeutel. Der Spott dieser Karikaturen war oft agitatorisch, ja klassenkämpferisch zugespitzt. Augenzeugen berichten, wie die Menge Neugieriger sich um die Auslagen der Bilderhändler drängte und voll hämischer Freude die neuesten Kreationen betrachtete: den befreiten Bauern, der triumphierend auf dem Rücken seiner ehemaligen Unterdrücker reitet; den "patriotischen Barbier", der den Klerus rasiert und dem Adel den Zopf abschneidet; die Vertreter der drei Stände beim einmütigen "Schmieden" der Verfassung; den "patriotischen Rechenmeister", der eine makabre Kopf-Rechnung mit abgeschlagenen Häuptern aufmacht. Nicht von ungefähr erkannte der konservative Publizist Jacques-Marie Boyer-Brun in diesen Bildsatiren "das Thermometer der öffentlichen Meinung", ein probates Aufputschmittel der Revolution zur Mobilisierung des "Pöbels".10

    Medialer Transfer der Revolution

    Es sei überflüssig, die revolutionären Ereignisse in Frankreich zu schildern, "da Deutschland mit Schriften darüber bis zum Eckel überschwemmt" werde, bemerkte der Schriftsteller Heinrich Christian Boie (1744–1806) im Dezember 1789. Höchst bemerkenswert aber sei die Resonanz der Revolution:

    Wie ein elektrischer Schlag, der von Paris ausging, wirkte sie auf alle Nationen; bis nach Dalmatien drang dieser Geist. Sogar Völker, die so abgespant waren, dass sie alle Begriffe von Freiheit verloren zu haben schienen, die Römer, wurden begeistert, und fühlten einen Augenblick einen Drang nach einer bessern Lage. Auf kein Land wirkte sie aber stärker, als auf unser Deutschland. … Bis in die kleinsten deutschen Dörfer drang dieser Schlag, und bei der Unzufriedenheit, mit der die meisten Menschen in der Welt leben, erregte er Neigung zur Empörung. Wenige deutsche Staaten werden gewesen sein, in denen nicht Gährungen entstanden sind.11

    Medienhistorisch trifft diese Einschätzung weitgehend zu. Gewiss: In groben Umrissen bildeten die sensationellen Pariser "journées révolutionnaires" natürlich überall ein herausragendes Nachrichtenthema, und mit dem Vormarsch der Revolutionstruppen wurden ab Herbst 1792 und mehr noch zwischen 1796 und 1799 revolutionäre Texte, Bilder und Hymnen in großem Stil exportiert – von den und über die bis in die "Schwesterrepubliken". In wiederum, wo Edmund Burkes (1729–1797) Reflections on the Revolution in France (1790)Burke, Edmund: Reflections on the revolution in France, London 1790, Digitalisat, BnF, Gallica, http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k111218p. einen heftigen Flugschriftenkampf entfachten12 und das französische Beispiel in der Handwerkerschaft eine breite Klubbewegung auslöste, berichteten 1789 zwei Dutzend Zeitungen über den Heldenmut der Bastille-Stürmer und die Enthauptung des Gouverneurs Bernard-René de Launay (1740–1789),13 während mehrere Londoner Theater diese sensationellen Ereignisse auf die Bühne brachten14 und der Londoner Verleger William Holland (1757–1815) das aktuelle Geschehen allegorisierend ins Bild setzte. Aber nirgendwo war der multimediale Transfer der Neuigkeiten und der Revolutionskultur aus Frankreich unmittelbarer, dichter und kontinuierlicher als in den Territorien des . Die folgende Skizze konzentriert sich daher auf den deutschen Sprachraum und exemplarische Glieder der langen Ereigniskette, die das "Totalereignis" Revolution ausmacht.

    Freiheitsbotschaft im Zeichen der Bastille

    Seit Einberufung der Generalstände hatte Frankreichs revolutionäre Politik in Deutschland zunehmend Aufmerksamkeit erregt, zum internationalen Medienereignis aber wurde sie erst mit dem Bastillesturm des 14. Juli 1789. "Wie Paris die Freyheit von Frankreich erstürmt … Allgemeine Revolution" titelte im August der Leitartikel des Hamburger Politischen Journals, um unerhörte Neuigkeiten zu vermelden:

    Die [französische] Nation singt nicht mehr – wurde vor mehreren Monaten … in unserem Journale bemerkt. – Am 12ten Julius fieng die Nation an zu schreyen, und auf ihr Geschrey fielen die Mauern der Bastille ein – die wohl stärker waren, als die von Jericho. Unser Zeitalter ist voller Wunder. Die religiösen haben aufgehört. Es geschehen lauter politische Wunder … Die Tage vom 12ten bis 15ten Julius gehören zu den merkwürdigsten in der Geschichte des menschlichen Geschlechts.

    Um die überraschende Sensation in den politischen Erwartungshorizont einzuordnen, fügte der Redakteur unter Rückgriff auf die Vulkan-Metapher erklärend hinzu:

    Die Explosion war schnell. Aber das Feuer hatte lange geglüht. Die Revolution zu Paris ist im Grunde von altem Datum. Besonders wurde ihr Grund vor 3 Jahren gelegt. Da fieng sie in den Köpfen an, und am 14ten Julius führten sie die Hände aus.15

    Ähnlich wie hier das von 8.000 Abonnenten getragene Journal von Gottlob Benedikt von Schirach (1743–1804), das meistgehaltene politische Periodikum der Lesegesellschaften, berichteten 1789 fast alle zweihundert Zeitungen des deutschen Sprachraums im Abstand von acht bis 14 Tagen zustimmend, ja enthusiastisch über die Pariser Juli-Ereignisse.16 Gestützt sowohl auf die französische Tagespresse und andere ausländische Organe wie die Gazette de Leyde oder den London Chronicle als auch auf Briefe deutscher Handelsreisender und "Freiheitspilger" in Paris,17 bildeten sie durch selektives Zitieren und Kopieren untereinander ein dichtes kommunikatives Netzwerk. Wenn ihnen die volksnahe Aufmachung der französischen Revolutionsblätter auch fehlte, so zählten sie doch nicht weniger Abonnenten als diese: von der Augspurgischen Ordinari Postzeitung (Auflage: 10.000 Exemplare) über die Erlanger Real-Zeitung (Auflage: 18.000 Exemplare) bis hin zum Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten (Auflage: 30.000 Exemplare). Insgesamt erreichten sie durch kollektive Lektüre und Vorlesen Woche für Woche etwa 3 Millionen Rezipienten.18

    Die Tagespresse war das schnellste, aber nicht das einzige Medium, das die "frohe Botschaft" von der Eroberung der Pariser "Schreckensburg" durch das aufständische Volk verbreitete. Ihre Wirkung wurde verstärkt durch eine Fülle in Windeseile gedruckter Flugschriften, zumeist deutsche Übersetzungen französischer Pamphlete. Sie verliehen dem Ereignis eine historische Tiefendimension, knüpften sie doch an ältere verdeutschte Skandalberichte berühmter Bastille-Häftlinge an, welche das Staatsgefängnis in Wort und Bild als "despotisches Schandmal" des aufgeklärten Zeitalters öffentlich angeprangert und seine Schleifung gefordert hatten.19 Der begeisterte "Revolutionstourist" und Braunschweiger Pädagoge Joachim Heinrich Campe (1746–1818) sagte am 9. August voraus, "dass ganz Deutschland nächstens mit Bastillebeschreibungen überschwemmt wird."20

    Tatsächlich weckten insbesondere die neuesten Pariser Enthüllungen aus dem geplünderten Archiv der Bastille so die allgemeine Neugier, dass auf dem deutschen Buchmarkt jeweils mehrere Übertragungen miteinander konkurrierten. Dazu seien nur einige wenige Beispiele genannt: Verschiedene Übersetzungen der mehrbändigen anonymen "Dokumentation" La Bastille dévoilée (1789–1790) wurden gleichzeitig von der Bayreuther Zeitungsdruckerei21 und von Donatius in 22 verlegt. Deutsche Fassungen der Jean-Louis Carra (1743–1793) zugeschriebenen Mémoires historiques et authentiques sur la Bastille (1789) erschienen in und in bei Varrentrapp & Wenner,23 außerdem in Leipzig und bei Jacobäer und Stahel24 sowie in bei Pfähler.25 Der zwanzigseitige Auszug aus den Remarques historiques sur la Bastille, den der Berliner Verleger und Journalist Carl Spener (1749–1827) anfertigte, wurde bereits im August 1789 unter dem lapidaren Titel Die Bastille nicht nur in einer Sonderbeilage der Berlinischen Nachrichten, im Hannover'schen Magazin und in den Kemptener Neuesten Weltbegebenheiten, sondern auch in zwei selbständigen Broschüren veröffentlicht.26

    Mehr noch: Die anschwellende Bastille-Publizistik löste unter deutschen Schriftstellern wie Christian August Vulpius (1762–1827) in Frankfurt am Main eine regelrechte Sammelwut aus. Der Schwager Johann Wolfgang Goethes (1749–1832) schrieb anonym im Oktober 1789:

    Seit zehn Wochen, sind in Frankreich und England über 60 Satiren, 6 Stück Confessions, 8 Stück Beschreibungen, 34 Erzählungen, 80 Kupferstiche, und etliche tausend Epigrammen mit und ohne Salz, bei Gelegenheit der Zerstörung der Bastille, der Flucht einiger Großen des Reichs, der Rückkehr Neckers, der allenfalls noch zu erwartenden Ereignisse, etc. etc. erschienen.27

    Vulpius brannte darauf, diese seine Kollektion dem deutschen Publikum bekannt zu machen. Da er sich aber außerstande sah, die Fülle der Dokumente zu übersetzen, komponierte er aus ihnen eine lose Folge dramenartiger Scenen in Paris, während und nach der Zerstörung der Bastille. Noch weiter in diese Richtung ging dann der Neuwieder Aufklärer Ludwig Ysenburg von Buri (1747–1806), indem er die Bastille-Schriften zu zwei Trauerspielen verarbeitete.28

    Wie sich hier andeutet, genügte es vielen Zeitgenossen nicht, das Medienereignis Zerstörung der Bastille nur lesend zu rezipieren; sie wollten es vielmehr unter Gleichgesinnten sinnlich mit- und nacherleben. Diesem sozialen Bedürfnis entsprach neben Theateraufführungen auch eine Reihe öffentlicher Feiern zum ersten Jahrestag des Vierzehnten Juli in Frankfurt, , und Leipzig. Besondere Begeisterung weckte das "Freiheitsfest zu Ehren der Französischen Revolution" am Ufer der , zu dem der liberale Kaufmann Georg Heinrich Sieveking (1751–1799) auch die in anwesenden Ausländer einlud: die Verteilung trikolorefarbener Bänder und Kokarden, von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) vorgetragene Oden, das gemeinsame Singen einer Liedkomposition des Gastgebers, Christoph Daniel Ebelings (1741–1817) Kantate Der vierzehnte Julius nach Melodien aus Georg Friedrich Händels (1685–1759) Messias, Toasts auf die "Abschaffung des Despotismus" auch in Deutschland – alle Medien waren darauf ausgerichtet, den Patriotismus am französischen Vorbild zu stärken.29 Derart im sozialen Wissen verankert, wurde die Bastille zum festen Bestandteil der Erinnerungskultur.

    Einen nicht minder wirksamen Beitrag zur sinnlichen Vermittlung des Medienereignisses leistete die Bildpublizistik, indem sie das Geschehen zu transnational gültigen ikonischen Prägungen komprimierte. Wie die Bemerkungen eines Campe und Vulpius zeigen, fanden die populären illustrierten Flugblätter aus Frankreich durch Kolporteure und Reisende durchaus den Weg ins Alte Reich, sodass es deutschen Stechern nicht an Vorbildern fehlte. Ihre zahlreichen Darstellungen des Bastillesturms30 folgten den Pariser Vorlagen ebenso sinngemäß wie ihre Reproduktionen komplementärer Motive. Zwei typische Beispiele seien hier angeführt:

    Das eine betrifft ein virtuelles Ereignis: die Befreiung des sogenannten Comte de Lorges, einer imaginären Figur kollektiver Vorstellungen. Anders als die von den Bastille-Siegern am Abend des 14. Juli befreiten sieben Häftlinge – lauter Fälscher und Geisteskranke – verkörperte er den idealen "Freiheitsmärtyrer". Eine anonyme Pariser Radierung zeigt ihn als bärtigen Greis in einer finsteren Kerkerzelle, wie er seine mit Fackeln hereinstürmenden Befreier begrüßt. In seitenverkehrter, etwas erweiterter Kopie diente dieses Phantasiebild als Titelvignette der ersten Revolutionsgeschichte eines deutschen Augenzeugen, die der Berliner Verleger Friedrich Vieweg (1761–1835) rechtzeitig zur Ostermesse 1790 auf den Markt brachte.Befreiung eines Bastillehäftlings, Kupferstich, Deutschland, 1790, unbekannter Künstler; Bildquelle: Schulz, Friedrich: Geschichte der großen Revolution, Berlin: Vieweg 1790 [Titelvignette]; Privatbesitz. Autor war der Schriftsteller Friedrich Schulz (1762–1798). Im Mai 1789 zu literarischen Recherchen von Leipzig nach Paris aufgebrochen, wurde er von den Ereignissen um den Bastillesturm überrascht. Die Befreiung eines Gefangenen schilderte er in den gleichen Worten, mit denen auch französische Zeitungen und Flugschriften über den Comte de Lorges berichteten:

    Er streckte beide Hände nach ihnen [seinen Befreiern] aus und flehete, daß man seine Qual nur kurz machen möchte. Ein Grenadier rief ihm zu: "Fürchten Sie nichts, guter Alter, wir wollen Sie nicht umbringen, sondern retten! Ihr Henker ist tot. Sie sollen leben." Er trug ihn auf den Armen heraus. Die freie Luft machte ihn anfangs ohnmächtig, als er aber wieder zu sich selbst kam, lachte, fragte und sprach er wie ein Kind. Er war seit dreißig Jahren eingekerkert gewesen.31

    Das andere Beispiel gilt der Schleifung der Bastille – ein symbolträchtiges Spektakel, das Monate lang zehntausende Schaulustiger anzog und von zahlreichen Druckgraphiken, Modeartikeln und Medaillen ins Bild gesetzt wurde,32 besonders eindrucksvoll in einer in mehreren Versionen veröffentlichten Pariser Farbradierung der Brüder Le Campion[]. Davon brachte der Augsburger Bildermacher Johann Martin Will (1727–1806), der schon vor der Revolution die Vermarktung französischer Medienereignisse betrieben hatte, sogleich einen Reproduktionsstich heraus. Prägnant führte er vor Augen, was gleichzeitig Textreportagen der deutschen Presse wie die Erlanger Real-Zeitung vom 31. Juli 1789 schilderten:

    So strömt alles in die Strasse St. Antoine hin, um den bezaubernden Anblick der Niederreissung der so gefürchteten Bastille, darin so mancher Unschuldige das Opfer von Privatabsicht und Rachsucht wurde, zu geniessen, woran seit Morgens 3 Uhr vom 16ten 2000 Handwerksleute arbeiten, die mit ihrer Arbeit zum größten Unwillen des Publikums nicht schnell genug fertig werden können; und während daß Ludwig XVI. am einen Ende in die Stadt Paris kam, verstärkte man am andern mit 500 Mann die Zahl der Arbeiter, die dieses verhaßte Monument des Despotismus niederreissen. So oft ein Stein herunterstürzt, klopft das Volk in die Hände, und schreit aus vollem Halse: bravo, frisch dran! Macht geschwind, wir werden euch bar bezahlen; und Erfrischungen werden den Arbeitern in Menge gebracht.33

    Wenn im Vordergrund beider Bilder Steinquader herumgeschleppt werden, so ist auch dieses Detail bezeichnend; pflegten Revolutionstouristen doch Bastille-Steine als Souvenirs mitzunehmen und zu verschenken, wie der patriotische Liedermacher und Publizist Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791) [Portrait Christian Friedrich Daniel Schubart, Kupferstich, Deutschland, 1791, Ant[on] Karcher (1760–1842) nach einer Zeichnung von Lohbauer, Photographie: Hans-Peter Haack; Quelle: Schubart, Christian Friedrich Daniel: Leben und Gesinnungen: Von ihm selbst im Kerker aufgesezt, Stuttgart 1791, vol. 1, Frontispiz, wikimedia commons, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schubart_leben_und_gesinnungen_1791.jpg?uselang=de, gemeinfrei] bezeugte. Als er im Herbst 1789 eine solche "Reliquie" aus Paris erhielt, widmete er ihr die überschwänglichen Verse Auf eine Bastillentrümmer von der Kerkertüre Voltaires in seiner Vaterlandschronik:

    Dank dir, o Freund, aus voller Herzensfülle
    Für die Reliquie der gräulichen Bastille,
    Die freier Bürger starke Hand
    Zermalmend warf in Schutt und Sand.34

    Zwischen Jakobinismus und "Königsmord"

    Dies alles war der Beginn eines andauernden medialen französisch-deutschen "Revolutionstransfers", den Zensurmaßnahmen der Landesherren behindern, aber nicht verhindern konnten. Die Indizien einer breiten grenzüberschreitenden Kommunikation – sei sie nun mündlich, schriftlich oder visuell – reichen vom Tragen dreifarbiger Kokarden bei Volksunruhen in den linksrheinischen Territorien (1789/1790) über die Berufung der aufständischen Bauern in auf die Frankreich-Nachrichten in der Presse (Sommer 1790) bis hin zur Pflanzung von Freiheitsbäumen in fünfzig Orten zwischen und (1792/1793).35

    a) Die Kommunikationsprozesse, die solchen sozialen Bewegungen zugrunde liegen, sind in der Republik von 1792/1793 zu fassen.36 Begünstigt durch die französische Besatzung unter General Adam-Philippe de Custine (1740–1793) entwickelte sich hier für kurze Zeit eine ansatzweise demokratische Kultur. Der 500 Mitglieder starke Mainzer Jakobinerklub korrespondierte nicht nur mit der "Muttergesellschaft" in Paris, sondern auch mit einem Dutzend weiterer Klubs in der französischen Provinz. Die Straßburger Jakobiner entsandten eine Abordnung deutschsprachiger Mitglieder nach Mainz, um eine regelrechte revolutionäre Mission mitzuorganisieren. Dabei zeichnete sich der Jurist Friedrich Christoph Cotta (1758–1838) besonders aus: Seine im Volkston gehaltene Zusammenfassung der Staatsverfassung in Frankreich wurde in 9.500 Exemplaren systematisch verbreitet, teils in Plakatform, teils als Broschüre; und mit dem Handwerker- und Bauernkalender des alten Vaters Gerhard gelang ihm eine kongeniale Übertragung der erfolgreichen Volksschrift von Collot d'Herbois, die er geschickt mit pfälzischem Lokalkolorit anreicherte.37

    Überhaupt entfaltete sich in Mainz binnen weniger Wochen eine ebenso umfangreiche wie intensive Revolutionspublizistik bestehend aus zweispaltig gedruckten Plakaten in deutscher und französischer Sprache, populären Belehrungen über die neuen demokratischen Grundsätze, anti-aristokratischen Pamphleten und vor allem einer engagierten politischen Presse.38 Wie eng diese mit den revolutionären Medien in Frankreich verbunden war, lässt sich in den Reden und Schriften eines Georg Forster (1754–1794) [John Francis Rigaud (1742–1810), Johann Reinhold und Georg Forster in Tahiti, o. J. (zwischen 1775–1780); Bildquelle: Privatbesitz (wikimedia commons, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Forsterundsohn.jpg?uselang=de.)] verfolgen. Entschlossen, den neuen patriotischen "Enthusiasmus" der Franzosen, den er im Juli 1790 auf dem Pariser Marsfeld miterlebt hatte, nach Deutschland zu übertragen, gründete Forster mit deutlichem Bezug auf Marats Ami du Peuple eine eigene Tageszeitung, die Neue Mainzer Zeitung oder der Volksfreund. Neben Übersetzungen französischer Revolutionstexte brachte er hier regelmäßig die neuesten Nachrichten vom Pariser Nationalkonvent und vom Prozess gegen Ludwig XVI., Beispiele patriotischer Opferbereitschaft und Berichte über Freiheitsbewegungen überall in Europa.39

    Durch ihre demokratische Kultur nach französischem Vorbild wurde die Mainzer Republik in Deutschland ihrerseits zum Medienereignis, und zwar – aus Sicht der konservativen Mehrheit – zum abschreckenden Beispiel "revolutionärer Anarchie".40 Dies umso mehr, als die anfänglich begeisterte Aufnahme der Pariser Nachrichten im Alten Reich angesichts der politischen Radikalisierung im Nachbarland überwiegend in Ablehnung umschlug – was freilich die "Faszination des Schrecklichen" eher steigerte als beeinträchtigte. Bündiger als in der schier unübersehbaren Textpublizistik ist in der Druckgraphik zu verfolgen, wie zwischen 1792 und 1794 die französischen Revolutionsmedien beim Transfer in den deutschen Sprachraum antirevolutionär transformiert wurden. Bei Karikaturen und allegorisierenden Blättern ist diese noch deutlicher zu beobachten als in der Ereignisgraphik.41

    b) Die bestürzende Kunde von der Guillotinierung Ludwigs XVI. am 21. Januar 1793 – dem "blutigsten[n] Schandfleck unsers Jahrhunderts"42 – zum Beispiel wurde europaweit von unzähligen Ereignis-Stichen verbreitet, die unter einer berichtenden Überschrift zumeist das Gleiche zeigen: Umgeben von einem Militärkordon und der gaffenden Menschenmenge steht der Henker neben der Guillotine und inszeniert die sekundenschnelle Hinrichtung, indem er mit einer brutalen Bewegung das abgeschlagene Haupt des ehemaligen Königs für alle Umstehenden sichtbar an den Haaren hochhält.43

    Indem der Pariser Stecher Villeneuve diesen Gestus in "Nahaufnahme" darstellte, führte er die mit der Guillotinierung verbundene Ästhetik des Plötzlichen und des Erschreckens zu einem Höhepunkt. Das unverzerrt, eher hoheitsvoll gezeichnete Haupt Ludwigs schockiert durch den Naturalismus der Halswunde und des aus ihr tropfenden Blutes. Da der rächende Arm des Henkers sich von einer konkreten Person gelöst hat, weckt er zusätzlich mythologisch-religiöse Assoziationen; erinnert er doch ebenso an Perseus mit dem Haupt der Medusa wie an Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers. Die Jakobinermütze und das Senkblei in der Kartusche betonen, dass Ludwig rechtmäßig im Namen von Freiheit und Gleichheit enthauptet wurde. Die Schriften im Bild tun ein Übriges: "Den gekrönten Gauklern zur Lehre", warnt die Überschrift; "das unreine Blut möge unsere Furchen düngen", höhnt der unten zitierte Schlussvers der MarseillaiseAudio[Marche des Marseillois chantée sur diferans theatres..., London 1792, Digitalisat, BnF, Gallica, http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b84117232. ]; und die Legende zitiert aus einem Zeitungsartikel von Maximilien de Robespierre (1758–1794), der Ludwigs Guillotinierung als "großen Akt der Gerechtigkeit" zur "Vernichtung des abergläubischen Royalismus" gepriesen hatte.44 Von diesem suggestiven Sinnbild gab der Buchhändler Johann Georg Bullmann (1740–1811) in , einem führenden Zentrum populärer Druckgraphik, bei dem Kupferstecher Boll sogleich eine Reproduktion in Auftrag. Sie wurde jedoch vom Zensuramt erst zur Veröffentlichung und zum Verkauf freigegeben, nachdem die Kartusche getilgt und die Beschriftung abgeändert war.45 Der drohende Titel des Vorbilds mutierte zum nüchternen Bericht: "Wahre Abbildung des Unschuldigen Königs Ludwig XVI, der den 21. Jänner 1793 durch die Guillotine öffentlich unter Anschauung vieler tausenten Enthauptet worden ist." Die neue Legende fordert den Betrachter moralisierend zur Trauer auf: "Mensch wen bey diesem Bild, dein Aug nicht Tränen stand, / Dan bis du härter noch, als selbst die Henkershand." Bei gleicher Darstellung des Hauptes selbst wurde das revolutionäre Schandbild so durch neue Schriften zum gegenrevolutionären Märtyrerbild verkehrt.

    c) Die angeführten Beispiele waren Teil eines umfangreichen allgemeinen Transfers des Medienereignisses "Revolution", der konkret von einer kaum übersehbaren Menge deutscher Übersetzungen französischer Texte getragen wurde. Der von über Paris ins zensurfreie bei Hamburg übergesiedelte Publizist Johann Wilhelm von Archenholtz (1743–1812) [Hugo Bürkner (1818–1897), Portrait Johann Wilhelm von Archenholz (1743–1812), Stich, 1854; Bildquelle: Bechstein, Ludwig: Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen, Leipzig 1854, wikimedia commons, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Johann_wilhelm_von_archenholz.jpg.] brachte es im Juni 1795 auf den Punkt:

    Die Begierde deutscher Schriftsteller und Buchhändler, ausländische Schriften zu verdeutschen, … ist in Hinsicht Frankreichs jetzt aufs Höchste gestiegen. Die dortigen großen immer fortdauernden Ereignisse, die in Paris auferstandene Preßfreyheit, und der Umstand, daß diese französischen litterarischen Producte nicht Bücher, sondern fast alle Broschüren und kleine Tageblätter sind, ermuntern manchen Verlagerüstigen Mann zu dieser Jagd, die er bey starken Büchern und Werken vielleicht unterlassen würde.46

    Tatsächlich wurden im Dezennium der Revolution – die Übersetzungen in der Tagespresse nicht eingerechnet – rund 1.900 politische Gegenwartstexte aus Frankreich in deutscher Sprache veröffentlicht, die beinahe zur Hälfte aus kleinen Flugschriften und Einblattdrucken bestanden.47 Soweit diese Übertragungen eigens von einem Übersetzungsbüro der französischen Regierung oder von der jakobinischen Presse im lanciert wurden, verfolgten sie primär propagandistische Zwecke.48 Zumeist stellten sie jedoch vor allem eine Ware dar, die sich am aktuellen Hauptinteresse des Publikums orientierte. Um dessen Neugier an spektakulären Ereignissen wie den Septembermassakern (1792), dem Tuileriensturm (1792) oder dem Sturz Robespierres (1794) zu befriedigen, kamen sie bevorzugt im Medium der Zeitschrift auf den Markt – etwa in Archenholtz' Minerva, die monatlich an 3.000 Abonnenten ausgeliefert wurde.

    Besonders systematisch ging der Zürcher Mediziner Paul Usteri (1768–1831) vor. Als begeisterter Sammler und Leser der französischen Revolutionspublizistik plante er, aus Übersetzungen derselben eine "Bibliothek der freien Franken" zusammenzustellen und im deutschen Sprachgebiet zu verbreiten. Um sich selbst aber nicht zu exponieren, richtete er dem aus Mainz geflohenen Schriftsteller Ludwig Ferdinand Huber (1764–1804) [Dora Stock (1759–1832), Portrait Ludwig Ferdinand Huber (1764–1804), Silberstiftzeichnung, 1784, Bildquelle: Piana, Theo: Friedrich Schiller, Weimar 1957, wikimedia commons, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dora_Stock_-_Ludwig_Ferdinand_Huber.jpg?uselang=de. ] im grenznahen Schweizer Dorf eine "Übersetzungswerkstatt" ein und ließ die verdeutschten Texte von dem Leipziger Verleger Peter Philipp Wolf (1761–1808) drucken. Sie speisten die eigens zu diesem Zweck gegründeten Beyträge zur Geschichte der französischen Revolution (1795/1796) sowie die weiteren Zeitschriften Humaniora (1796–1797), Klio und Neue Klio (1795–1798).

    Aufs Ganze gesehen stellt diese "Revolutionsbibliothek" ein repräsentatives Indiz in dreifacher Hinsicht dar. Einerseits bezeugt sie durch ihre Masse ebenso wie durch die Verteilung der rund fünfzig Druckorte über den ganzen deutschen Sprachraum eine breite und anhaltende mediale Resonanz der Französischen Revolution. Im Einzelnen überragt Leipzig alle anderen Druckzentren, gefolgt von Hamburg, Berlin, Frankfurt, und Wien. Eine herausragende Mittlerrolle spielten überdies nach Frankreich orientierte Verlagsbuchhandlungen wie Decker in , Fontaine in , Hoffmann in Hamburg und Dyck in Leipzig.49 Andererseits war diese breite mediale Vermittlung der Französischen Revolution jedoch selektiv und insofern für die begrenzte Rezeptionsbereitschaft auf deutscher Seite bezeichnend, als sie gemäßigte, tendenziell "liberale" Texte bevorzugte, die radikale, "plebejische" Revolutionspublizistik aber beiseiteließ. Darüber hinaus wirkte sie als strukturbildender Katalysator, indem sie den Nachrichtenfluss von Frankreich nach Deutschland dauerhaft politisierte und beschleunigte,Hans-Jürgen Lüsebrink / Rolf Reichardt, Graphik, Französisch-deutsche Übersetzungsbibliothek 1770–1815: Themenbereich "Politik" im Zweitverlauf. wie einmal mehr der Journalist Archenholtz treffend beobachtete:

    Eine von den vielen Folgen, die die französische Revolution für Deutschland gehabt hat, ist die große Menge neuentstandener politischer Schriftsteller, Blattschreiber, und Buchmacher, die aus Zeitungsblättern (sollten es auch die elendesten im südlichen Deutschlande seyn) ihre Kenntnisse schöpfen, und dann sogleich die Feder in die Hand nehmen, um ihre Urtheile über die großen Begebenheiten des Tages, der Welt mitzutheilen.50

    Rolf Reichardt, Mainz / Gießen

    Anhang

    Quellen

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    : Die Französische Revolution als europäisches Medienereignis, in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz European History Online (EGO), published by the Leibniz Institute of European History (IEG), Mainz 2010-12-03. URL: http://www.ieg-ego.eu/reichardtr-2010-de URN: urn:nbn:de:0159-2010101173 [JJJJ-MM-TT][YYYY-MM-DD].

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