Medien des religiösen Transfers*

von NN zuletzt verändert: 2011-10-02
Page Medien des religiösen Transfers* von NN
 
Page Genfer Psalter von Jürgens, Henning P.
Der Genfer Psalter, das Gesangbuch der Gemeinde Johannes Calvins, enthielt die Umsetzung aller 150 biblischen Psalmen in gereimter Form für den Gesang im Gottesdienst. Aufbauend auf Vorbilder im deutschen Sprachraum, die er als Glaubensflüchtling in Straßburg kennen gelernt hatte, betrieb Calvin die vollständige Bereimung des Psalters in französischer Sprache und die Vertonung mit neugeschaffenen Melodien. Das so entstandene Gesangbuch wurde planmäßig verbreitet und entwickelte sich zum Erkennungszeichen reformierter Gemeinden in ganz Europa. Als Ausgangspunkt von Übersetzungen, Nachbildungen und konfessionellen Gegenentwürfen wirkte es weit über Genf und die reformierte Kirche hinaus und wurde zu einem der meistgedruckten Werke der europäischen Frühneuzeit.
Page Jesuitentheater von Nebgen, Christoph
Die kritische Haltung der Kirchenväter gegenüber dem klassischen Theaterspiel bewirkte eine weitgehende Vernachlässigung von Theaterpraxis im mittelalterlichen Europa. Erst im Kontext des Humanismus wurde das Medium wiederentdeckt, mit neuen Elementen versehen und besonders hinsichtlich seiner moralisch-didaktischen Wirkungsmöglichkeiten im Schulbereich genutzt. An den Bildungsstätten des Jesuitenordens erlangte das Theaterspiel in der Frühen Neuzeit einen beachtlichen Stellenwert. Ca. 100.000 verschiedene Produktionen, zumeist aus der Feder von Ordensmitgliedern, machten das Jesuitentheater zu einem führenden "Massenmedium" seiner Zeit, mit dem der Orden gezielt den öffentlichen Diskurs beeinflussen konnte. Die Verbreitung der jesuitischen Schulbühnen war dabei genauso international wie das Themenspektrum. Somit erwies sich das Jesuitentheater in mehrerlei Hinsicht als ein kulturelles Transfermedium.
Page Predigt von Holtz, Sabine
Wie kein anderes vergleichbares Medium der Frühen Neuzeit erreichte die Predigt die Masse der Menschen – zunächst als von der Kanzel gesprochenes Wort, dann nachhaltig in Form von Einzeldrucken bzw. Predigtsammlungen. Aufgabe der Predigt war es, zu lehren, zu mahnen und zu trösten. Im Dienst von Kirche und Staat konnte sie zudem zu einem Instrument der sozialen Disziplinierung werden: Ein frommer, seiner Kirche und deren Predigt unterstellter Untertan war ein zuverlässiger Garant öffentlicher Stabilität. Allen Konfessionen war es wichtig, das Leben mit christlichen, oft konfessionell spezifischen Werten zu durchdringen, die man über die Predigt vermittelte. Mahnen und Warnen der Predigt war integrativer Bestandteil eines die soziale Lebenswelt begründenden, sichernden und Zukunft garantierenden Normensystems.
Page Johannes Kepler von Hübner, Jürgen
Die aufkommende moderne Naturwissenschaft stellt die Struktur der mittelalterlichen Einheitskultur in Frage. Das Weltbild ändert sich. Das verändert auch die Denkfiguren der Theologie. Unterschiedliche dogmatische Systeme sind die Folge. Johannes Kepler (1571–1630) versucht, über eine neue Schöpfungstheologie zu einer neuen Einheit zu kommen. Das ist das Ziel seiner astronomischen Arbeit. Geht es um die Struktur, den "Plan" von Gottes Schöpfung, ist äußerste Genauigkeit ihrer Erforschung gefordert. Die Mathematik ist dazu das Instrumentarium. Die Kepler'schen Gesetze sind ein Ergebnis so bestimmter Forschung. Damit entstehen neue Perspektiven sowohl für die Naturwissenschaft als auch für die Theologie.
Alias Catechisms von Falk, Claudia
Printed Catechisms have been durable and persistent media of religious transfer. The reformation era brought them to particular prominence. Luther's Small Catechism set a standard, in terms of content and appeal. Other prominent catechisms, including the Heidelberg Catechism, the Westminster Shorter Catechism, and Canisius' catechism, sought to express their theological insights in language as simple, clear, compelling and memorable as Luther's. Catechisms have been one of the popular forms of religious literature in Europe. The most prominent were often translated and were sometimes supplemented or edited when moved to new contexts.