Internationale religiöse und humanitäre Bewegungen

erstellt von EGO-Redaktion zuletzt geändert: 2021-06-10T14:53:26+02:00

Konfessionsverbände

Die heute bestehenden internationalen zumeist protestantisch dominierten Konfessionsverbände (v. a. Ökumenischer Rat der Kirchen, Lutherischer Weltbund, Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen) haben Wurzeln im 19. Jahrhundert. Gemeinsam verstehen sich diese Konfessionsverbände als Ökumenische Bewegung. Sie stehen im Kontext von Globalisierungen, die Versuche zur Bearbeitung und letztlich Überwindung konfessioneller Spaltungen sowie nationaler und kultureller Gegensätze innerhalb des Christentums dringlich erscheinen ließen. Parallel zum Ökumenischen Rat und seinen Vorläufern entstanden auf internationaler Ebene der Völkerbund und 1945 die Vereinten Nationen. Zugleich war die Herausbildung ökumenischer Vereinigungen und Zusammenschlüsse eine Reaktion auf zunehmende Säkularisierungstendenzen insbesondere in Westeuropa.

Rotes Kreuz und Roter Halbmond

Aus dem 1863 gegründeten Genfer Komitee zur Hilfe verwundeter Soldaten und zur Weiterentwicklung des Völkerrechts entstand die bis heute florierende internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Diese konnte sich nicht nur in christlich oder westlich geprägten Ländern etablieren, sondern fand auch in anderen kulturellen Kontexten wie der islamischen Welt großen Anklang, weil sie an dortige Diskurse und Praktiken von Wohltätigkeit anknüpfte. Angesichts von Kolonialismus, Nationalismus und Dekolonisation im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts stieß die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung aber immer wieder an Grenzen, die ihre humanitären Prinzipien in Frage stellten. Der Artikel untersucht aus globalgeschichtlicher Perspektive, mit welchen Durchsetzungs- und Aneignungsstrategien sich die Bewegung diesen Herausforderungen politischer, aber auch kultureller und sozialer Art in den letzten eineinhalb Jahrhunderten gestellt hat.